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In Palfraders Feenreich

Da gibt es Kulturschaffende, die jahrelang ohne Gage erfolgreiche Veranstaltungen organisieren und sich als Lohn dafür durch undurchschaubare Formulare der Landeskulturabteilung kämpfen, um für ihr Projekt ein paar Hunderter überwiesen zu bekommen. Und da gibt es Kulturschaffende, wie etwa den Dichter Felix Mitterer, der seit dem letzten Jahr allein bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs 83.000 € kassieren durfte, nachdem er schon zuvor vom Land Tirol auf Basis zweifelhafter Gutachten 250.000 € für seinen sogenannten Vorlass bekam.

Aber auch anderswo wird, wenn nicht gegeizt wird, kräftig geklotzt. So lagen für die neue Intendanz der Tiroler Festspiele Erl flugs 500.000 € mehr am Tisch. Und so leisten sich die im internationalen Vergleich geradezu mickrigen Festwochen der Alten Musik eine Betriebsdirektorin für 10.000 € pro Monat und einen künstlerischen Leiter für die zwei Monate, die er in Innsbruck zu wirken geruht, um 50.000 €. Das alles sind naturgemäß nur Schätzungen. Der wahre Inhalt der meisten goldenen Töpfe wird nämlich lieber verheimlicht.

Was sich derzeit in der Kulturpolitik des Landes abspielt, ist eine Mischung aus planloser Willkür und peinlicher Zeitgeistanbiederung. Spannender als jedes Kulturevent wäre daher sicherlich die Liveübertragung eines Untersuchungsausschusses über die Tiroler Kulturpolitik aus dem Landtag mit dem Titel: „In Palfraders Feenreich“.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Die gute Fee alleine kann das wohl nicht machen, und Untersuchungsausschüsse haben mittlerweile hinreichend bewiesen, dass sie nichts taugen. Mehr als politisches Kleingeld kommt dabei nicht heraus, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten.
    Umso mehr ist anzuerkennen, wenn sich einzelne Personen getrauen, derartige Dinge konkret anzusprechen. Ziemlich viele werden einem Einzelnen dafür dankbar sein.

  2. Helmut Leisz

    SEHR GEEHRTER HERR SCHÖPF –
    HERZLICHEN DANK für einen Beitrag –
    bei dem jeder kleine Kulturschaffende nur applaudieren kann und muss!

    Ich will nicht nur schimpfen – da ich als privilegiertes Mitglied des TSOI –
    40 Jahre am Napf der Stadt Innsbruck und des Landes Tirol – kräftig löffeln durfte!

    Auf der anderen – der Veranstalterseite – habe ich genau ihre geschilderten Zustände hautnah erlebt!
    Unseren Kulturverein in Axams mussten wir nicht nur wegen der Nachfolgefrage auflösen
    – sondern auch wegen unserer finanziellen Rücklagen – die wir als Veranstaltungsreserve angelegt hatten –
    die – genau in dieser schwierigen Phase – plötzlich – aus heiterem Himmel – vom Land Tirol zurückgefordert
    wurden!
    Diese – für uns – unfassbare „Gemeinheit“ war der Tropfen, der das Fass an Ungerechtigkeiten zum
    Überlaufen brachte – niemand wollte sich „das“ noch antun!
    Vor allem unsere jungen Leute im Verein waren total frustriert!
    Diese „Situation“ wurde „GOTT SEI DANK“ sehr rasch beendet – kein Wort einer Entschuldigung oder gar des
    Bedauerns über diesen bösartigen Fehler – kam von den Verantwortlichen im Lande!

    Jetzt – seit Jahren im „Ruhestand“, darf ich in Götzens kulturell ein bisschen „weiterwurschteln“ … zum großen
    Glück ist unser Obmann ein unermüdlicher – seriöser Subventionsbeschaffer – der mir diese zermürbenden –
    monetären Wege abnimmt!

    Danke besonders für den letzten Absatz ihres Beitrags ….. eine Live-Übertragung!
    Leider wird es dazu nie kommen …. außer der Blitz erschlägt sie ALLE … da wäre was los!

    Mit dankbaren Grüßen – ihr Helmut Leisz

  3. Peter Walch

    Gruß Gott Herr Schöpf!
    Zu Ihrer letzen Kolumne mit dem Titel, „In Palfraders Feen- Reich“ seien mir ein paar Zeilen erlaubt.
    Ich schicke voraus, dass ich selbst kein „Kulturmensch“ in der Hinsicht bin, dass ich etwa Musikant, bildender Künstler oder Schriftsteller etc. bin, was mich jedoch nicht abhält, die Kultur per se als unverzichtbar für den Menschen zu sehen und einzustufen.

    Auf was ich aber hinaus will, ist ihre knallharte – und berechtigte- Kritik an jenen Herrschaften, die es sich richten können, bzw. es sich gerichtet haben, um Länge mal Breite abzusahnen.
    Bei großen Euro-Beträgen rechne ich immer noch in Schilling um, um so einen Anhaltspunkt, was das früher wert war und gekostet hat, zu erhalten. Und wenn man nun diese Summen, die hier ausgezahlt wurden, umrechnet, wird einem wahrlich schwindlig ob der Unverfrorenheit, wie hier die Hand aufgehalten wurde.

    Aufhalten kann man immer, aber es geht ja um jene, die dieses Salär (aus Steuergelder) genehmigen, und da liegt der Hacken.
    Diese Zeilen, die Sie hier veröffentlich haben, werden nicht allen schmecken. Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Courage!

    In diesem Sinne, schreiben Sie weiter, denn der Wahrheit gehört keine Gasse, sondern eine Autobahn geschlagen!
    Mit einem freundlichen Gruß!
    Peter Walch

  4. Klaus Amann

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    der Inhalt Ihres oben angeführten Artikels in der Samstagausgabe der “TT” hat meine Seele aufgewühlt und ich kann Ihnen in allen Punkten nur rechtgeben. Ich kenne diese Diskrepanzen in der finanziellen Unterstützung der Künstler und weiß hierüber Bescheid durch meinen Sohn. Mein Sohn als freischaffender Künstler, Komponist und Lyriker, wohnend in Graz mit Familie, ist mit dieser sehr schwierigen, finanziellen Lage sehr betroffen. Er und die Seinen führen ein bescheidenes und sparsames Leben, das ein gut verdienender Mensch nicht nachvollziehen kann.
    Ich danke Ihnen herzlichst, dass Sie dieses Thema so pragmatisch aufgegriffen und publiziert haben.
    mit freundlichem Gruß
    Dr. Klaus Amann

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