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Reinhard Walcher
Es wird wärmer! Na und?
Essay

Bestandsaufnahme

Die Komplexität des gegenständlichen Themas überfordert offensichtlich auch die ExpertInnen, weshalb es hier nicht um (m)eine Meinung geht, sondern um den Versuch, die klimatische Lage der Welt ohne Polemik zu beschreiben. Derzeit überlagert die „C(orona)-Krise“ in den Medien zwar die anderen heißen Eisen wie „Klimawandel“, „Flüchtlingskrise“, „Islamische Immigration“ und „Politische Korrektheit“. Diesen fünf Bedrohungsszenarien gemein ist, dass darüber (zumindest öffentlich) nicht mehr diskutiert werden kann. Allzu leicht wird man ins Lager der links-grünen Rechtgläubigen oder der rechts-radikalen Leugner ge-worfen. Dabei ist die Stichhaltigkeit der jeweiligen Argumente wurscht. Eine vernünftige, datenbasiert-wissenschaftliche Diskussion wird – auch dank der politischen Korrektheit – nicht (mehr) zugelassen. Die links-grüne Schickeria und der rechts-radikale Pöbel werden sich in ihrem Gebaren immer ähnlicher. Und das ist möglicherweise der größte Kollateralschaden, den die (humanis-tisch-westlichen) Demokratien davontragen werden beziehungsweise bereits erlitten haben.

Die konservative, noch regierende Mitte hingegen wendet sich mit zunehmender Überforderung abwechselnd nach links und nach rechts. Angela-„Wir-schaffen-das!“ Merkel und Sebastian „Wir-schließen-die-Balkanroute!“-Kurz illustrieren die Hilflosigkeit der christlich-demokratischen PolitikerInnen. Da kommt der/das C-Virus gerade zur rechten Zeit, um von den anderen großen Problemen abzulenken beziehungsweise sich in der Durchsetzung diktatorischer Maßnahmen – um nicht zu sagen in Machiavellismus – zu üben.


Ende der Diskussion?

Die Tragödie des Endes der Diskussion und damit der Idee des demokratischen Parlamentarismus (von parlare = sprechen, reden) wird vom Qualitäts-Journalismus, wie er sich selbst bezeichnet, noch zusätzlich befeuert. So schrieben der Astronom Florian Freistetter und der Kabarettist Martin Puntigam (im profil vom 18. 11. 2017) eine Titelgeschichte über den Klimawandel, die zum Pamphlet gegen alle Zweifler geriet. Die Wissenschaft sei sich einig, dass die Welt (seit 1880 um 0,85 Grad Celsius) wärmer geworden sei und sich weiterhin erwärmen werde. Nur Idioten wie Donald Trump und H.C. Strache würden das nicht glauben. Womit sich die beiden Titelgeschichtenschreiber allerdings selbst als Idioten erwiesen, indem sie jeden Zweifler ins „Trump-Strache-Lager“ (©Freistetter & Puntigam) verweisen, anstatt Fragen und Gegenthese zuzulassen, wie es gerade in der Wissenschaft üblich ist.

Auf der Strecke bleibt, wie immer, auch der mit Hausverstand (common sense) denkende Mensch. Der nämlich traut sich fast nichts mehr zu sagen oder auch nur zu fragen. Auf jede (kritische) Aussage oder Frage nämlich folgt – je nachdem – ein Shitstorm (deutsch Scheißsturm?) aus der einen oder anderen Glaubensrichtung sowie die sofortige Schubladisierung des fragenden Denkers oder denkenden Fragers in die Abteilung Öko-Fuz-Zi beziehungsweise Na-Zi. Mit religiösem Eifer wird so Diskussion, Wahrheitsfindung und Problemlösung verhindert. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der normale Mensch jegliches Wissen aus zweiter, dritter oder gar vierter Hand bezieht. Oder hat schon jemand jemals den Abstand des Mondes von der Erde nachgemessen? Und wie sollte er beurteilen, ob sich die Erde beziehungsweise die erdnahe Atmosphäre und die Meere tatsächlich auf bedrohliche Weise erwärmen?


Prognosen und Verbote

Der fälschlich als Comedian (deutsch Komödiant, also einer, der die Leute zum Lachen bringen soll) bezeichnete Denker Dieter Nuhr formulierte es in seiner Fernsehsendung „Nuhr im Ersten“ folgendermaßen: „Wo es verboten ist, bestimmte Wörter auszusprechen oder eine vom Mainstream abweichende Meinung zu äußern, da beginnt die Diktatur“. Und Prognosen sind eine schwierige Sache, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, meinte diesbezüglich schon der wunderbare Spötter und Schriftsteller Samuel Longhorne Clemens (1835-1910), besser bekannt als Mark Twain. Interessanterweise wählte Clemens, der zwei Jahre als Lotse den Mississippi befuhr, als sein Pseudonym ausgerechnet die Bezeichnung der Mindesttiefe für die Schifffahrt auf dem Mississippi. Die heißt nämlich „mark twain“. Es passt ins Bild, dass obiges Zitat wahlweise neben Mark Twain auch Kurt Tucholsky, Niels Bohr, Wilhelm Busch oder Winston Churchill und anderen zugeschrieben wird. Die Wahrheitsfindung ist also auch für die Vergangenheit eine schwierige Sache.


Klimawandel ade?

Anstatt mich auf dünnes Eis zu begeben und mich wahlweise im Trump-Strache-Lager oder im Greta-Thunberg-Segelschiff wiederzufinden, sollen hier einige der vielzitierten Schlagwörter etwas näher betrachtet werden:

Der Klimawandel …
… ist die von den Medien falsch gebrauchte Bezeichnung für „die von Menschen (und Tieren) verursachte Erwärmung der erdnahen Atmosphäre und der Meere“, also nicht der Erde selbst. Eigentlich bedeutet Klimawandel jedoch die stetige Veränderung der Klimata der Erde, seit diese besteht.

Kohlenstoffdioxid …
… ist ein Molekül bestehend aus einem Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatomen mit der chemischen Formel CO2. Mensch und Tier binden in der Lunge den eingeatmeten Sauerstoff mit Kohlenstoff und atmen Kohlenstoffdioxid aus. Pflanzen und Bäume wiederum „atmen“ CO2 (vereinfacht gesagt) ein und verwandeln es mittels der Fotosynthese in Sauerstoff. Pflanzen und Tiere leben also in einer Sauerstoff-Kohlenstoffdioxid-Symbiose. Ohne CO2 sterben die Pflanzen ab, während der Mensch ohne Sauerstoff nicht überleben kann.

Der Durchschnitt oder das arithmetische Mittel …
… errechnet sich aus der Summe der Zahlen dividiert durch die Anzahl der Zahlen. Eine 84jährige Uroma und ihr 2jähriger Urenkel zum Beispiel sind durchschnittlich (84 + 2) : 2 = 43 Jahre alt. Alle ÖsterreicherInnen sind im Durchschnitt ebenso rund 43 Jahre alt, was aber über Ihr eigenes Alter, liebe Leserin und werter Leser, genau gar nichts verrät.

Was sagt nun die Mitteilung des „Weltklimarates“ IPCC (Inter-governmental Panel on Climate Change) aus, dass sich die Welt seit 1880 weltweit um durchschnittlich 0,85 Grad Celsius erwärmt habe und sich (prognostiziert) weiter erwärmen wird?

Die letzte Große Eiszeit …
… dauerte in etwa von 115 000 bis 10 000 v. Chr.. Europa glich damals der heutigen Antarktis und noch am Ende dieser Kaltzeit, wie es wissenschaftlich heißt, lagen die Alpentäler unter kilometerdickem Gletschereis begraben. So sind die heutigen Mittelgebirge und Plateaus beispielsweise im Inntal die Moränen des Inngletschers, dessen Endmoräne den heutigen Irschenberg zwischen Kufstein und München bildet. Diese gewaltigen Eismassen sind (ohne Zutun der Menschheit) im Laufe der anschließenden Warmzeit hinweggeschmolzen.

Das Tier „Mensch“ in Form des homo sapiens sapiens, wie er/sie sich selbst nennt, existiert als nomadischer Freibeuter seit etwa 200 000 Jahren. Das heißt, die Menschheit hat mehr als hunderttausend Jahre in Schnee und Eis überlebt und wurde erst am Ende dieser eisigen Zeiten sesshaft, nämlich um 10 000 v. Chr. im – von Jahwe – gelobten Land Kanaan, wo Milch und Honig flossen.

Das Holozän
… ist die Warmzeit, in der wir jetzt leben und die etwa 10 000 vor unserer Zeitrechnung (v. Chr.) begann. Um 900 n. Chr. erreichte sie einen Höhepunkt, sodass von etwa 800 bis 1300 im Inntal Weinbau betrieben wurde und viele Höttinger (Stadtteilbewohner von Innsbruck) immer noch den Namen Sauerwein tragen.

Die Kleine (Zwischen-)Eiszeit …
… dauerte etwa von 1570 bis 1600 und wurde in den Winterlandschaften vieler flämischer Maler wie Hendrick Avercamp und Pieter Brueghel d. Ä. dargestellt. Damals fürchteten sich viele Menschen davor, Gott könnte nach der Sintflut die Menschheit dieses Mal durch Vereisung vernichten. Die Wissenschaft ist sich nicht einig, was diese Kälteperiode mitten im Holozän verursacht hat.

„Apocalypse Never“ …
… heißt ein kürzlich erschienenes Buch des amerikanischen Schriftstellers Michael Shellenberger, der in den 1980er Jahren ein führender Umweltaktivist der ersten Stunde war und 2008 vom Time Magazine zum „Hero of Environment“ gekürt wurde. In seinem neuesten Buch entschuldigt er sich jetzt dafür, die heute grassierende „Klimawandel-Hysterie“ à la Greta Thunberg mitverursacht zu haben. Für die Menschheit bestehe keine Gefahr, meint er nun in seinem Buch. Hoffentlich irrt er sich dieses Mal nicht.


Quellen: Duden, Wikipedia, weltderphysik.de, Harari/“Eine kurze Geschichte der Menschheit“, Blom/“Die Welt aus den Angeln“ u.a.

Reinhard Walcher
Dipl.-Ing., Architekt, Karikaturist, Blogger (bimreiser) Reinhard Walcher auf schoepf-blog: „Eine Pandemie, die keine ist“ (9. September 2020). „Apokalypsen sind beliebt“ (24. September 2020).
Demnächst: „Über Politische Korrektheit“. Erscheint auch auf bimreiser.wordpress.com .

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