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Alois Schöpf
Das Böse existiert!
Gesamtfassung
Essay

Da wurde ordentlich die Ethikkeule ausgepackt! Bevorzugt von jenen, die sich selbst als seriös bezeichnen, wahrscheinlich aber nur neidisch sind, dass andere erfolgreicher und schneller agierten. Der Sender oe24.tv mit Papa und Sohnemann Fellner, der es im Zuge der Berichterstattung über den Terroranschlag in Wien angeblich auf 600.000 Zuseher brachte, war dabei Gegenstand besonders heftiger Kritik. Er ist ja nicht nur dem ORF mit seinen überbezahlten Hofmoderatoren ein Dorn im Auge, tritt er doch immer wieder den Beweis an, dass guter politischer Journalismus nicht, wie ein gewisser Herr Wolf das meint, aus Inquisitionsritualen besteht, sondern dass man auch unter Wahrung von Gastlichkeit und Höflichkeit von den Interviewten herausbekommt, was man erfahren möchte. Und dass sich das Publikum über einen Politiker, den man nur ausreden lassen muss, schon selbst ein Urteil bilden und daher darauf verzichten kann, die Schlachtschüssel speisefertig präsentiert zu bekommen. Gerade in der eine Staatskrise verursachenden sogenannten Ibiza-Affäre kommt den Fellners darüber hinaus das Verdienst zu, nicht nur über die Unsäglichkeiten der vermutlich mit Drogen vollgeknallten Herrn Strache und Gudenus berichtet zu haben, sondern auch über eine kriminelle Vorgeschichte, von der Journalistenkollegen aus sogenannten Qualitätsmedien massiv profitierten und sich für ihre Skandalgeilheit auch noch Preise umhängen ließen.

Die Fellners ärgern naturgemäß auch eine alte Tante wie das „Profil“, das bei sinkenden Auflagenzahlen seine Felle als Chefgouvernante der Republik davonschwimmen sieht und sich in einem Artikel des erleuchteten Herrn Paterno zur Empörung aufschwingt, oe24.tv bekomme vom Staat über die Privatrundfunkförderung 2,8 Millionen und darüber hinaus Inseraten-Aufträge, deren Verteilung und Höhe tatsächlich diskussionswürdig sind. Wenn man allerdings bedenkt, dass ein ORF, der am Abend des Terroranschlags in Wien stundenlang ein wesentlich peinlicheres und langweiligeres Programm vorlegte als oe24.tv, durch Zwangsgebühren ca. 630 Millionen Euro und durch seine mit staatlicher Unterstützung ausgebaute Monopolstellung über ein Budget von etwas mehr als 1 Milliarde verfügt, kann Paternos Vorwurf nur noch in die Gefilde kleinlicher Missgunst verwiesen werden.

Was aber wird oe24.tv eigentlich vorgeworfen und was führte zu angeblich mehr als inzwischen 1500 Beschwerden beim Presserat? Die Verfehlung des Senders bestand offenbar darin, dass er Handyvideos, die ihm von den Schauplätzen des Attentats zugespielt wurden, bzw. Material aus Überwachungskameras, das angeblich auch international verbreitet worden war, in seine Berichterstattung übernahm und dort mehrfach wiederholte. So sollen sich darunter, ich selbst kann es nicht bestätigen, obgleich ich den ganzen Abend lang zwischen staatlichem Rundfunk und oe24.tv hin und her wechselte, auch Sequenzen befunden haben, in denen der Attentäter Opfer niederschießt, was der Verein Medienjournalismus Österreich laut Profil wie folgt kommentierte: „Diese Form von Journalismus ist unverantwortlich und degoutant und gibt den Tätern auch noch eine Bühne. Solche Veröffentlichungen widersprechen nicht nur dem Ehrenkodex der Presse, sondern können auch juristische Folgen nach sich ziehen, weil die Verbreitung von Aufnahmen, auf denen Opfer eines solchen Anschlags zu erkennen sind, medienrechtlich unzulässig ist.“

Dass in Anbetracht solcher Empörung selbst der Hohepriester des erhabenen Denkens Hans Rauscher vom Standard leichtes Bauchgrimmen bekommt, spricht für seine analytische Intelligenz. Rauscher schreibt: „Wie weit soll man das Böse zeigen? Es ist ein schmaler Grat…Der STANDARD und die meisten seriösen Medien zeigten daher auch nicht das Foto, das der Wiener Attentäter von sich selbst mit seinem Waffenarsenal aufgenommen hat. Schon gar nicht zeigten wir das Video, bei dem die Ermordung eines Opfers zu sehen ist. Da geht es um Menschenwürde. Das Fellner-Medium „Oe24“ und die „Krone“ brachten es ursprünglich, nahmen es dann aber von der Website…Es gibt allerdings auch die Meinung, dass man eine solche Szene auch nicht beschreiben soll. Ich glaube dennoch, das ist zulässig, weil es um den unbedingten Vernichtungswillen des Attentäters geht. Manchmal muss man daran erinnert werden: Das Böse existiert.“

Das ist aber schon nett, Herr Rauscher, dass sie erlauben, das Böse zu beschreiben. So in der Art von Homers Ilias oder der Bhagavad Gita oder eher, weil doch Journalismus, in der Art von Caesars De bello Gallico? Würde das ihren Niveauvorstellungen und den Niveauvorstellungen ihres Qualitätsmediums entsprechen? Haben Sie eigentlich, geschätzter Kollege, der sie ein paar Jährchen älter sind als ich, ganz vergessen, dass es vor allem zwei, die Damen und Herren des Vereins Medienjournalismus Österreich würden sagen, degoutante Bilder waren, die als Ikonen den Vietnamkrieg beendeten, weil sie den Zuhause in den USA bequem in ihren Fernsehsesseln lümmelnden und Chips fressenden Bürgerinnen und Bürgern vor Augen führten, welch abgrundtief absurdes und brutales und inakzeptables Theaterstück da ihre Söhne aufführen mussten? Das Bild des nackten Mädchens, das um sein Leben rennt (Bildunterschrift: 8. Juni 1972. Von Napalm getroffen, rennt Kim Phuc aus ihrem brennenden Dorf in Vietnam und „Nick“ Ut drückt auf den Auslöser seiner Kamera. Foto: Nick Ut/AP.) Und das Bild jenes Polizisten, der einem Mann gerade einen Kopfschuss verpasst (Bildunterschrift: Der Polizeichef von Saigon tötet einen Mann in Zivil per Kopfschuss. Dieses berühmte Kriegsfoto von vor genau 50 Jahren wurde zu einem Wendepunkt im Vietnamkrieg – es zeugt von der Macht der Bilder!). Glauben Sie wirklich, Herr Rauscher, dass ein ähnlicher Effekt auch nur annähernd durch die zitierten, immerhin ziemlich präzisen Bildunterschriften bewirkt worden wäre?

Mit Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass Papa und Sohnemann Fellner sich nicht aus solch medientheoretischen Überlegungen heraus – nach langem Ringen, müsste man ironisch hinzufügen – dafür entschieden, die inkriminierten Sequenzen in ihr Programm aufzunehmen. Nein, sie taten es naturgemäß aus kommerziellem Interesse, um möglichst hohe Einschaltziffern zu lukrieren. Und sie taten es aus einer simplen Skandalgeilheit heraus, die bei ihren Kolleginnen und Kollegen des ORF mitnichten weniger stark hochkochte, sich jedoch aufgrund josephinischer Selbstzensur nicht in dieser Art ausleben ließ. Dies hatte denn auch zur Folge, dass der ganze Abend im ORF mehr einem absurden Theater von Samuel Beckett glich, da stundenlang über etwas berichtet wurde, worüber niemand etwas genau wusste, worüber nichts gezeigt werden durfte und worüber niemand etwas genaueres zu sagen vermochte.

Den Fellners mediale Selbstreflexion und ein daraus abgeleitetes, bewusst dem Mainstream widersprechendes ethisches Verhalten zu unterstellen, wäre also zu viel der Ehre. Vater und Sohn passen wie die meisten anderen, die sich über sie empörten, zu einer Elite, die, wie etwa bei Hans Rauscher, nur kleinste Blitzlichter der Selbstkritik zulässt, um ja nicht ein in den oberen Etagen der Medienkonzerne immer noch exzellentes, inzwischen durch die sozialen Medien und das Internet massiv bedrohtes Einkommen zu gefährden. Vor diesem Hintergrund erweist sich das Geschwätz über die Würde der Opfer, über degoutante Bilder und den journalistischen Ehrenkodex lediglich als verbale Nebelmaschine, deren Aufgabe darin besteht, das wahre Geschäftsinteresse zu verschleiern. Den Konsumenten, den Fernsehzuschauer, den Rundfunkhörer und, zwangsweise in die gedruckte Distanz gezwungen, auch den Zeitungsleser davor zu bewahren, sich durch die unmittelbare und unleugbare und nicht wegzappbare Präsenz der Katastrophe, des Unheils, des Bösen in seinem Genuss gestört zu fühlen. Aus der ursprünglichen Selbstbeauftragung des Journalismus, die Bürgerinnen und Bürger eines Landes über alle relevanten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Belange zu informieren, sie also aufzuklären, um ihnen dadurch die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen, besteht die Selbstbeauftragung der Vierten Macht im Staate inzwischen vor allem darin, im hysterischen Dienst für höhere Einschaltziffern und Auflagen Information in Infotainment, damit Aufklärung in Genuss und vernunftbegabte Bürger in am Geschehen unbeteiligte geile Voyeure zu verwandeln.


Von Spannern und Gaffern

Nach einem Bericht der Deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erleben in den USA Kinder bis zur Erreichung des Grundschulalters im Fernsehen etwa 9000 Morde. Selbst wenn es in Europa weniger blutig zugehen sollte, gehören auch hierzulande Sendeformate wie „Tatort“ zu den beliebtesten Produktionen sowohl staatlicher als auch privater Fernsehanstalten. Im Krimi mit seiner immer gleich öden Dramaturgie finden über oft parteipolitische Wege in ihr Amt gelangte, zutiefst mediokre Fernsehspielredakteure die ideale Mischung aus minimiertem Risiko, geringem Arbeitsaufwand und dem Komfort, in einflussreiche Netzwerke mit berühmten Hauptdarstellern und Regisseuren eingebunden zu sein. Ganz abgesehen von vielerlei Incentives, sich für die langjährige Zusammenarbeit mit den Produktionsfirmen diesseits und jenseits der Legalität hofieren zu lassen.

Das Publikum wiederum frönt, allseits abgesichert in bequemen Fernsehstühlen, in Ermangelung realer Gefahren, wie sie bis vor kurzem noch alltäglich waren, der Angstlust des Wohlstandsbürgers. Weshalb es doch eher verwundert, wenn dieser, obgleich in einem hohen Ausmaß an Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Betrug gewöhnt, plötzlich empört ist, bei einem Terroranschlag sekundenlang mitansehen zu müssen, wie ein Passant aus der Waffe des Terroristen niedergestreckt wird. Eine erste oberflächliche Antwort kann nur lauten: Er ist, wenn es um die Aufrechterhaltung seines unmittelbaren Wohlbefindens und seiner Genussfähigkeit geht, sehr wohl in der Lage, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.

In den allermeisten Fällen mag diese Behauptung zutreffen, allerdings gibt es auch gewichtige Ausnahmen, welche die Sachlage verkomplizieren. Dann nämlich, wenn durch künstlerische Kompetenz die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischt werden bzw. der Fiktion mehr Realität zukommt, als ihre flache Bebilderung im Rahmen von Nachrichtensendungen je bieten könnte. Auch der umgekehrte Prozess ist möglich: Wenn der Realität, etwa beim Zusammensturz der Twin Towers in New York oder beim Tsunami 2004 in Thailand und Indonesien, eine solche Magie des Unglaublichen und Katastrophalen zukommt, dass sie sich plötzlich in ein ästhetisches Ereignis, in ein Design des Schrecklichen verwandelt. Für Ersteres, die Intensivierung des Realen durch das Fiktionale, und nur dies ist für die vorliegenden Überlegungen relevant, können als Beispiele die Filme „Bennys Video“ von Michael Haneke, „Die Teufel“ von Ken Russel oder „Die Passion Christi“ von Mel Gibson angeführt werden. Hier wird Fiktion in einer Weise zu einem Realismus des Schmerzes, dass sie, nicht vergleichbar etwa mit einem noch so brutalen „Tatort“, von der übergroßen Mehrheit des Publikums als unverdaulich abgelehnt und daher ins Nachtprogramm, der Endlagerstätte für Kunst, verbannt wird.

Es geht also mitnichten nur um den simplen Unterschied zwischen Realität und Fiktion. Es geht, wie angedeutet, um die Rolle des Zusehers, der, abseits aller unmittelbar sexuellen Konnotationen, als unbeteiligter und feiger Voyeur den Kitzel der Gefahr vermittelt bekommen möchte, niemals jedoch ungeschützt in eine reale oder als Realität misszuverstehende Grausamkeit involviert werden will. Der Voyeur, der Spanner, der Gaffer möchte tunlichst Verbotenes erleben, ohne daran beteiligt zu sein. Der Preis für seine Sicherheit und seinen Komfort ist die stets lauernde Langeweile. Das Spiel mit Mord und Totschlag erleichtert ihm die Imagination, zumindest in der Fantasie aus seinem nicht gelebten Leben auszubrechen.

Um Einschaltziffern zu lukrieren, haben Fernsehanstalten, nicht anders wie die Autoren von Fortsetzungsromanen und ihre Verleger des 19. Jahrhunderts, auch im 21. Jahrhundert diese Rolle des Zusehers als Voyeur anzuerkennen und zur Aufrechterhaltung des eigenen Geschäftes penibel zu schützen. Dies kann jedoch nicht einfach dadurch geschehen, dass aus den Nachrichtensendungen, die sich mit den Realitäten unserer Gegenwart zu beschäftigen haben, alle bildlichen Darstellungen von Grausamkeiten eliminiert und, wie Hans Rauscher es erträumen würde, lediglich in sprachlicher Darstellung und Empörung präsentiert werden. Wenn der Senatssprecher des Österreichischen Presserates Andreas Koller es daher als Aufgabe der Journalisten bezeichnet, als medienethische Kontrollinstanz in die Rolle des „gatekeeper“ zu schlüpfen, schützt er nicht nur das Geschäftsleben der Branche, sondern verkauft auch noch wie Kollege Wolf in derselben ORF-Sendung „Kunststücke“ vom 16. November mit menschenrechtlichem Wortgeklingel heuchlerisch die Weigerung, Realität abzubilden, als sittliche Leistung.

Der Voyeur, der Spanner, der Gaffer teilt mit dem Journalisten nicht nur die Sehnsucht, unter keinen Umständen mit in die Geschehnisse hineingezogen zu werden, sondern stets über ihnen als richterliche Instanz zu stehen. Er möchte auch, bei gleichzeitig ungestörtem Ruhegenuss das Selbstbildnis, ein kritischer und wahlberechtigter Zeitgenosse zu sein, erhalten wissen. Denn nur durch dieses Wissen wird seine Ignoranz veredelt und kann als Ignoranz ignoriert werden.

Hier scheinen nun Vater und Sohn Fellner im Sinne eines Alleinstellungsmerkmals als kommerzieller Sender und einer härteren journalistischen Gangart die Nehmerqualitäten, wie viel sie ihrem Publikum bzw. ihrer Kollegenschaft zumuten konnten und wollten, überschätzt zu haben. Ihre Fehleinschätzung führte denn auch zu m Beschwerden beim Österreichischen Presserat und schweren kolumnistischen Rügen. So sehr nämlich nicht einmal das seriöseste und, auf Österreich bezogen, josephinischste Medium auf Nachrichtensendungen mit der dramaturgischen Würzung durch grausame Bilder verzichten kann, so sorgfältig ist die Zensurliste jener Motive und Sequenzen zu beachten, die eingesetzt werden dürfen, um einerseits die Angstlust des Voyeurs abzufüttern, und andererseits die Funktion zu erfüllen, wie bereits betont, sowohl die Selbstachtung des vor dem Fernsehapparat Sitzenden als kritischer Bürger als auch die Selbstachtung des hinter dem Fernsehapparat Arbeitenden als kritischer Journalist und als Vierte Macht im Staate zu gewährleisten.

Um zu verdeutlichen, was unter einer solchen Zensurliste, dem Index der politischen Korrektheit sozusagen, zu verstehen ist, genügt es, an nur wenigen Beispielen aufzuzeigen, worüber konsequent nicht berichtet wird. Nicht minder interessant ist es jedoch, in der Folge ebenfalls aufzulisten, über welche Themen aufgrund eines Konsenses zwischen Voyeuren, Spannern und Gaffern einerseits und den Nachrichtenproduzenten andererseits sehr wohl berichtet werden darf und soll, auch wenn dies mit grausamen Bildern und Sequenzen verbunden ist.

Eine abschließende Analyse, weshalb das eine nicht, das andere jedoch sehr wohl am Markt der Aufmerksamkeit reüssiert und weshalb Vater und Sohn Fellner die Lage falsch eingeschätzt haben, ermöglicht zuletzt einen scharfen Blick auf das, was als Verrat an der Aufklärung und als defiziente Entwicklung der Information hin zum Infotainment bezeichnet wurde.

Beispiele dessen, was nicht gezeigt wird:

1. In Erinnerung an das durch ikonographische Bilder mit herbeigezwungene Ende des Vietnamkriegs obliegt die Kriegsberichterstattung seit dem Einmarsch der US-Truppen sowohl in Afghanistan als auch in den Irak strengster Zensur.

2. Hinrichtungen durch Enthauptung aus dem für den Westen wichtigsten Ölproduzenten Saudi-Arabien werden ebenso wenig gezeigt wie die wahrscheinlich vom Saudischen Kronprinzen angeordnete Ermordung des Journalisten Kashoggi mit anschließender Auflösung in einem Säure-Bad, ein Vorgang, von dem über geheimdienstliche Aufzeichnungen sehr wohl zumindest Ton-Dokumente existieren. Aufgrund solch vornehmer Zurückhaltung darf Saudi-Arabien weiterhin als geachtetes Mitglied der Weltgemeinschaft und als wichtiger Importeur teurer Rüstungsgüter gelten, statt als korrupte, zurückgebliebene, rassistische und brutale Stammesdiktatur isoliert zu werden.

3. Das öffentliche Schauspiel, im Rahmen dessen im Gottesstaat Iran mit seinem totalitären Priesterregime bei gleichzeitig brüllenden Mullah-Gebeten mithilfe von Baukränen Leute aufgehängt werden, fällt ebenso der Zensur unserer heimischen Gatekeepers zum Opfer. Auch hier verhindert falsche Scham das klare Urteil über ein religiös fundiertes faschistisches Regime abseits aller Menschenrechte, von einer viel zu toleranten, sprich bequemen Haltung der europäischen Länder im Hinblick auf den Bau einer iranischen Atombombe ganz abgesehen.

4. Öffentliche Massenhinrichtungen in China schaffen es nur in Ausnahmefällen, Materialien über den gerade laufenden Völkermord an den Uiguren fast nie in die Schlagzeilen der europäischen Nachrichtensendungen. Derlei Verharmlosungen werden zur Folge haben, dass Chinas lächelnde Diktatoren in absehbarer Zeit das demokratische und in vielerlei Hinsicht vorbildliche Taiwan in gleicher Weise einkassieren werden, wie sie es bereits mit Hongkong getan haben. Auch in diesem Fall wird sich der europäische Voyeur, Spanner und Gaffer bis hinauf in die Schwätzburgen der EU in seinem abendlichen Nachrichtengenuss nicht sonderlich beeinträchtigt fühlen.

5. Ähnliches gilt auch für die Zustände in Nordkorea mit seinen angeblich 5000 Konzentrationslagern, ein Land, in dem Zustände herrschen, die schon längst von einer internationalen Interventionsarmee unter der Führung der UNO hätten beendet werden müssen. Stattdessen darf der junge Diktator der ausgehungerten und zum Wahnsinn des Personenkults verurteilten Nordkoreaner als bunte Polit-Comic-Figur auf einem weißen Schimmel reiten, mit dem amerikanischen Präsidenten einen Briefwechsel führen und zwischendurch demonstrativ seinen dicken Finger auf den roten Startknopf einer Atomrakete legen.

6. Die Liste solch weltpolitischer Ignoranz könnte noch lange fortgesetzt werden. Daher nur ein letztes Beispiel, das mit Politik im engeren Sinn nichts zu tun hat und lediglich darauf abzielt, dem Voyeur, dem Spanner und dem Gaffer als Kunden das Abendessen nicht zu vermiesen. So schaffen es Aufnahmen von Schlachthöfen und den dort stattfindenden Massen-Schlachtungen fast nie, Tiertransporte und jeder artgerechten Haltung hohnsprechende Zuchtmethoden nur sehr selten in die abendliche Berichterstattung. Würden Sie es tun, würde der Fleischkonsum abstürzen und die tierquälerische Zucht etwa von Nerzen zur Herstellung von Pelzen allein durch die Kraft der Bilder und Bildsequenzen und der damit erzwungenen Empathie rasch ein Ende finden.


Die Macht des Gezeigten

Die Redaktionen unserer angeblich so freien Medien hüllen sich, wie an den Beispielen US-Interventionen, Saudi-Arabien, Iran, Nordkorea und Massentierhaltung aufgezeigt wurde, in, wie der Historiker Fritz Stern es nennen würde, „feines Schweigen“, wenn es darum geht, den durch sein Ein- und Ausschalt-, Hin- und Wegzapp-Verhalten über Rundfunkgebühren und Werbekosten allmächtigen Konsumenten als Voyeur vor Irritationen zu schützen.

Um die Frage zu beantworten, wer bei der Berichterstattung über den Terroranschlag in Wien sich nun mehr schuldig gemacht hat, jene, die vornehm zensierten, oder jene, die geil herzeigten, ist es notwendig, nicht nur vor dem Hintergrund des Verschwiegenen, sondern auch vor dem des Gezeigten zu untersuchen, in welch umfassendem Ausmaß dokumentarisches Bildmaterial das politische Bewusstsein ganzer Gesellschaften verändern kann. Und zwar nicht auf abstrakter Ebene, wie es das Verschweigen als Spekulation über das Nichtanwesende möglich macht, sondern konkret, persönlich, auf Basis der je eigenen Empathie, Betroffenheit, um das verhunzte Modewort hier einmal mit vollem Recht einzusetzen. Denn der Augenblick, in dem den historisch interessierten Zeitgenossen Bildsequenzen und ihre Grausamkeit ganz konkret erreichen, ist immer eingebunden in eine ganz persönliche Erkenntnisgeschichte.

1. So wurde ich als Schüler am Gymnasium des Jesuitenordens, der mehrere Opfer des Hitlerregimes zu beklagen hatte, bereits als Vierzehnjähriger mit jenen Bilddokumenten konfrontiert, die den industriellen Massenmord an den europäischen Juden, aber auch an Randgruppen wie den sogenannten Zigeunern oder an Homosexuellen auf alle Zeiten als Mahnmal nichtüberbietbarer menschlicher Bosheit und Verworfenheit vor dem Vergessen bewahren. Die fotografische und filmische Hinterlassenschaft des Holocaust hat nicht nur dem Naziregime, das für den Völkermord verantwortlich zeichnete, auf immer jede moralische Legitimation entzogen, es hat auch dem Antisemitismus als einer über Jahrzehnte akzeptierten Marotte ein Ende gesetzt. Und es hat dem Überleben Israels unter feindlich gesinnten und in ihrer Würde verletzten arabischen Nationen das Überleben mitermöglicht und somit eine Fortsetzung des Vernichtungswerks an den Juden verhindert.

Vladimir Putin, der den Zusammenbruch der Sowjetunion als die größte Katastrophe der russischen Geschichte bezeichnet, wird also schon wissen, was er tut, wenn er die Archive aus der Zeit des stalinistischen Massenterrors nicht öffnet, sofern darüber überhaupt Bildmaterial existiert und sich nicht die Deutschen, worunter auch wir Österreicher zu verstehen sind, durch die satanische Lust, ihre eigenen Abgründe zu dokumentieren, als Sonderfall kollektiven Irreseins erweisen. Was nämlich die Alliierten bei ihrem Einmarsch an Elend noch vorfanden, ist nur ein Teil dessen, was die Täter selbst in bürokratischer Besessenheit verewigten. Bildmaterial, das auch nur annähernd an jenes des Holocaust heranreichen würde, würde das von den Massenmördern Lenin und Trotzki gegründete und vom Massenmörder Stalin vollendete Arbeiterparadies, als dessen verquerer Erbe Putin sich empfindet, ebenso delegitimieren wie das Naziregime. Auch die europäische Linke sähe sich plötzlich gezwungen, in den verstaubten Archiven ihrer postmarxistischen Begriffswelten Ordnung zu schaffen und sich endlich der von allen anderen eingeforderten Vergangenheitsbewältigung zu unterziehen.

Wahrscheinlich wird es einen solchen durch Bildmächtigkeit erzwungenen Sinneswandel jedoch nie geben, was beweist, wie schwach sich der Einfluss von lediglich in Worten festgeschriebenen Zeugnissen erweist, selbst wenn sie von Schriftstellern wie Alexander Solschenizyn und vieler anderer seiner beredten Kollegen, die das sowjetische Lagersystem überlebten, in umfangreichen Büchern festgehalten wurden.

2. Für mich ganz persönlich erwähnenswert ist auch eine Dokumentation der BBC, die sich mit der Rolle des japanischen Kaisers während des Zweiten Weltkriegs beschäftigte, in der unter anderem gezeigt wurde, wie auf Befehl der japanischen Besatzer im chinesischen Nanking Planierraupen lebende Menschen in einen Graben schieben und sie mit Erde überschütten. Wenige Sekunden reichten auch in diesem Fall aus, um das über Jahrzehnte in der Regenbogenpresse gehuldigte japanische Kaiserhaus mit einem Herrscher, der der gerechten Todesstrafe als Kriegsverbrecher nur deshalb entging, weil die staatliche Ordnung Japans dadurch zusammengebrochen wäre, für mich und für immer als eine gesalbte Elite der Unmenschlichkeit dastehen zu lassen.

3. Österreich wartet auf einen Spruch des Verfassungsgerichtshofs, von dem sich die fortschrittlichen Kreise des Landes eine Liberalisierung der Sterbehilfe erwarten, sodass der ehrwürdigen Tradition christlicher Brutalität, die Menschen zu zwingen, bis zum bitteren Ende zu leiden, auch hierzulande endlich Grenzen gesetzt werden. Vor Monaten bereits vereinbart hätte dieser Tage gemeinsam mit dem Deutschen und dem Schweizerischen Fernsehen auch im ORF die Übertragung des Stücks „Gott“ von Ferdinand von Schirach, das sich mit Fragen der Sterbehilfe beschäftigt, übertragen werden sollen. Unter dem äußerst fadenscheinigen und argumentativ nicht nachvollziehbaren Verweis auf den Terroranschlag in Wien wurde die Übertragung abgesagt. Es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass dies lediglich ein billiger Vorwand war, um nicht in genau jener Woche, in dem der Verfassungsgerichtshof weitere Beratungen angekündigt hatte, die liberalen Kräfte zu stärken. Eine ORF-Führung, der es weltanschaulich wertfrei schon seit Jahren lediglich um die Absicherung ihrer durch Opportunismus eroberten, großfürstlich entlohnten Positionen geht, vollführte also erneut einen Kotau vor einer christgläubigen Clique, die es als großen Schaden für ihre mittelalterlichen Anliegen empfunden hätte, wenn auch hierzulande, wie in Deutschland und der Schweiz, 70 Prozent der Fernsehzuseher Sterbehilfe für jemanden befürwortet hätten, der sie nicht einmal als Schwerstkranker, sondern lediglich als Lebensmüder für sich in Anspruch nehmen will.

Kein einziges heimisches Medium hat die Absetzung dieser Übertragung als Skandal zu diagnostizieren gewagt. Die Branche hat sich vielmehr durch ihr Schweigen am Kampf gegen die Autonomie und die letzte Freiheit, Art und Zeitpunkt des Todes selbst zu bestimmen, beteiligt. Mit Ausnahme von Frau Coudenhove-Kalergi im Standard haben keine und keiner unserer sonst so selbstbewussten und besserwisserischen Kolumnistinnen und Kolumnisten für eine Liberalisierung der Sterbehilfe das Wort ergriffen. Und es wäre wohl zu viel verlangt, wenn einer unserer öffentlichen oder privaten Fernsehanstalten jene feinfühlige und diskrete Dokumentation aus den Niederlanden wiederholt hätte, in der ein an fortschreitender Muskellähmung leidender Mann dabei begleitet wird, wie er, ein letztes Glas Wein trinkend, noch einmal von seinem Arzt besucht wird und, professionelle Sterbehilfe in Anspruch nehmend, vor laufender Kamera, seine Gattin neben ihm sitzend, friedlich und gelöst aus dem Leben scheidet.

Die Wiederholung dieser Dokumentation hätte nicht nur in der Zeit einer wichtigen Entscheidung sämtliche marktschreierischen Argumente und Gerüchte von der Inhumanität der Sterbehilfe des Platzes verwiesen, sondern auch viele von denen, deren Skepsis lediglich eine Folge der Angst vor dem eigenen Tode ist, von der Würde eines selbstbestimmten Lebensendes überzeugt. Alle, die als Obwalter der edlen Gesinnung mit Verachtung auf Vater und Sohn Fellner herabblicken und im österreichischen Presserat die Messer wetzen, wissen um die Existenz dieser berühmten und preisgekrönten Dokumentation. Ihr kleinmütiges Wegschauen delegitimiert auch in diesem Fall jeden Anspruch, im Dienste der Aufklärung zu agieren.

4. Der weltweit steigende Fleischkonsum hat nicht nur zur Folge, dass immer mehr Tierarten durch den Verlust ihres Lebensraums ausgerottet werden. Tiere, also fühlende, zur Freude aber auch zum Leiden befähigte Wesen werden vielmehr bald nur noch deshalb geboren, erzeugt, produziert, um sich nach einem kurzen und einem industriell auf Wachstum fokussiertem sogenannten Leben vom Menschen töten und fressen zu lassen. Tiere, vor allem die sogenannten Haus-und Nutztiere sind, wie Peter Sloterdijk es wortmächtig formuliert, die wahren Verlierer der Moderne. Verlierer sind wir aber auch selbst, da die industrielle Massentierhaltung nicht nur die letzten Reservate an unberührter Natur für die Landwirtschaft verbraucht und darüber hinaus die Ausbeutung der Tiere zu menschlichen Zwecken bereits seit Jahrtausenden Ausgangspunkt von gefährlichen Pandemien war und ist. Covid19 firmiert dabei im Schaufenster zoogenetischen Unheils lediglich als eher harmlose Variante.

Ganz im Gegensatz zur kulturellen Abstraktion, die das Fleisch eines lebenden Wesens über Tötung, Aufbereitung und zuletzt durch eine kunstvoll applizierte Panier auf seinem Weg zur Lieblingsspeise Schnitzel erfährt, fällt das Publikum gleichsam tödlich getroffen vor ihren Fernsehschirmen hintüber, sofern es einem der verdeckt agierenden Tierschützer in den Medien wieder einmal gelingt, das Foto einer gequälten Muttersau oder die Filmsequenz von grausam verstümmelten, ach so edlen Tiroler Kälbern zu zeigen, die in den Nahen Osten exportiert wurden und dort schandbar umgebracht werden. Allzu leicht wird gleichzeitig vergessen, dass unser gesamter Fleischkonsum, unsere Fressorgien an den herrlich duftenden sommerlichen Grillstationen fürstlich von der vornehmen Zurückhaltung der Medien leben, uns mit dem Anblick der gequälten und gedemütigten Kreatur zu konfrontieren.

5. Nach Jahrzehnten des hedonistischen Nachkriegswohlstandes, in denen man es mit weltanschaulichen Fragen nicht so genau nehmen musste, hat die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehenden strikten Schutzmaßnahmen einen neuen Typus des Zeitgenossen zum Vorschein gebracht: den Rechthaber! Dabei handelt es sich in der Regel um Personen, deren Dummheiten wahrscheinlich schon von Kindesbeinen an in bester 68-er Tradition auch dann noch mit nachsichtig vorgetragenen Argumenten begegnet wurde, wenn es darum ging, nicht aus dem ersten Stock zu springen, nicht mit Vatis Raucherutensilien im Wohnzimmer ein Lagerfeuer zu entfachen beziehungsweise das Schwesterchen nicht mit einem Küchenmesser zu attackieren.

Es ist diesen selbstbewussten, stolz wie Solitärbäume in den Himmel ragenden und zugleich unerträglich lächerlichen Ausformungen des zeitgeistig egalitären Denkens schlicht unmöglich, die von Wissenschaftlern und Politikern überprüfte und immer wieder hinterfragte Einschätzung einer Gefahr und die daraus folgenden Schutzmaßnahmen mit einem Anflug von Demut zu akzeptieren und sich selbst nicht selbst für gescheiter als den Rest der Welt zu halten. Ein inzwischen bald 70 Jahre währendes Wirtschaftswunder hat leider die Weltsicht von Leuten gefördert, die glauben, das ganze Universum existiere nur um ihretwegen und kreise ausschließlich um ihre honette Person. Solchen Leuten ist es mit zu verdanken, dass die zweite Welle der Corona-Pandemie unser Land kurzzeitig sogar zum Weltmeister in Sachen steigende Infektionszahlen machte. Aber auch einem ServusTV ist es zu verdanken, das obskuranten Vorbetern, die es glänzend verstehen, dem zeitgeistigen Narzissmus des Publikums zu huldigen, die Bühne bietet. Und einer FPÖ, die am Strich der Anbiederung und in der Verzweiflung ihres Niedergangs in der Verharmlosung von Covid-19 ein Alleinstellungsmerkmal gefunden zu haben glaubt.

Die gebetsmühlenartig wiederholte und von keinerlei Erkenntnisfortschritt irritierbare Behauptung, Corona sei lediglich eine Grippe und der Lockdown weit überzogen, wurde auch in diesem Fall erst dadurch in die Schranken gewiesen, als im Hauptabendprogramm des ORF eine Reportage ausgestrahlt wurde, die über die bedrückenden Zustände in mit Covid-19-Patienten überfüllten Intensivstationen berichtete und die Interviews mit erschöpften Ärzten und Pflegekräften präsentierte, die zum Glück noch Kraft genug besaßen, sich wütend über die Verharmlosung der Krankheit und ihrer Gefährlichkeit zu äußern.

Im Zeigen von Bildern und Bildsequenzen erreicht die Macht von Bildmedien ihren Höhepunkt. Daher ist das Zeigen oder Verheimlichen von Bildern auch die relevanteste politische Entscheidung, welche die Vierte Macht im Staate in einer Redaktionssitzung zu diskutieren und zu treffen hat. Denn jede Entscheidung, wie sie auch ausfällt, kann nicht nur dramatische Folgen nach sich ziehen, sondern sie beruht auch auf Argumenten, die in der Regel mit der öffentlichen Selbstbeauftragung und Selbsthuldigung von Medien wenig, mit dem eigenen Machterhalt und der Sicherung von Privilegien jedoch sehr viel zu tun haben.


Der kritische Bürger und seine schmerzfreie Empathie

Bereits die kurze Aufzählung dessen, was gezeigt wird und was nicht, ermöglicht also die These, dass zwecks Erhaltung der hochbezahlten Positionen ihres Führungspersonals und der Eigentümer das wichtigste Ziel der Medien, vor allem des Fernsehens, darin besteht, die Zahl der Abonnenten, der verkauften Exemplare bzw. die Einschaltziffern und damit die Werbeeinnahmen zumindest zu halten, wenn nicht zu erhöhen. Dies allerdings hat mit der eigentlichen Aufgabe des Journalismus nur am Rande zu tun. Von der Europäischen Aufklärung hergeleitet bestünde diese nämlich darin und wird als solche auch in den hochtrabenden Formulierungen des Impressums bzw. des Rundfunkgesetzes so festgeschrieben, in verständlicher Sprache die Bürgerinnen und Bürger eines Landes über alle relevanten Geschehnisse der Politik, der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Kultur so zu informieren, dass sie durch eigenen Vernunftgebrauch in die Lage versetzt werden, selbst zu entscheiden, was, nach der Formulierung des Nobelpreisträgers für Ökonomie Amartya Sen, nach eingehender Überlegung gut für ihr Leben ist.

Dass dieser biedere Dienst am Fortschritt der Menschheit noch nicht ganz dem Auftrag nach Kundenanbiederung und höheren Umsätzen gewichen ist und somit zumindest am Rande und in den Kolumnen der Chefredakteure an Feiertagen mitbedient werden kann, hängt damit zusammen, dass es zur Selbstdefinition des oftmals sogar akademisch gebildeten Konsumenten als Voyeur gehört, in einer Demokratie kritisch zu sein. Denn nur in seiner Ausformung als ununterbrochen über die Zeitläufte Debattierender, über die Politikerkaste, den Kapitalismus und Neoliberalismus, was immer das sei, Herfallender und als ein stets auf der richtigen Seite der Geschichte Befindlicher erwirbt sich der Bürger das Recht, im Staate mitzubestimmen und ernst genommen zu werden. Dass dieses sein kritisches Potenzial in den allermeisten Fällen lediglich die Funktion eines risikolosen Sahnehäubchens auf dem Haupt einer sich selbst huldigenden Eitelkeit erfüllt, steht dabei ebenso außer Zweifel wie die Tatsache, dass dasselbe kritische Potenzial auch für den Journalisten lediglich die zeitgeistkompatible Veredelung einer Berufstätigkeit ist, die zum überwiegenden Teil darin besteht, am geistigen Strich mit möglichst attraktivem Satzbau um Freier zu werben. Allein die Tatsache, dass der Generaldirektor etwa des ORF wesentlich mehr verdient als der Bundespräsident der Republik Österreich und die Landesdirektoren und Starmoderatoren des ORF-Fernsehens zu den Spitzenverdienern des Landes gehören, ist Beweis genug, dass noch so hitzige Debatten und noch so inquisitorisch angelegte Interviews weniger die Funktion haben, die Dinge zum Besseren zu wenden, als vielmehr die lukrativen Verhältnisse, in denen die Medienelite lebt, unter dem Nebelschaum des Geschwätzes beim Alten und bestehende Netzwerke in Ruhe zu lassen.

Vor diesem Hintergrund wird die Frage also nicht lauten: Haben sich Vater und Sohn Fellner anlässlich des Terroranschlags in Wien durch die Hereinnahme einer Erschießungsszene in ihre Reportage gegen das Ethos des Journalismus versündigt, sodass sie zu Recht vom Österreichischen Presserat getadelt werden? Ja! Sie haben sich zweifelsfrei versündigt, wenn es darum ginge, die wahren Ursachen aufzulisten, die sie zu ihrer Entscheidung bewogen haben. Ohne Zweifel handelten sie aus Sensationsgier und witterten die obszöne Chance, als medialer Underdog hohe Einschaltziffern zu erzielen und damit den Emanzipationsprozess gegenüber dem de facto monopolistischen ORF voranzutreiben.

Die Frage muss vielmehr lauten: Resultiert die Empörung der Zuseher nicht daraus, als Voyeure massiv in der Ruhe gestört worden zu sein? Und resultiert die Empörung der journalistischen Kollegenschaft nicht daraus, dass sie unfreiwillig und plötzlich durch die Wiedergabe einer grausamen Szene an ihre ursprüngliche und im Alltag konsequent verluderte Aufgabe erinnert wurden, im Dienste der Aufklärung, der Menschheit und der Menschenrechte zu wirken? Journalisten sind begnadete Zyniker, ich sehe schon ihr mitleidiges Lächeln angesichts solch großer Worte.

Dennoch: Sowohl das, was gezeigt wird, als auch das, was nicht gezeigt wird, unterliegt einer diskreten Strategie, welchem Problem in der Welt durch bildgebende Verfahren, um einen Begriff aus der Medizin zu verwenden, Aufmerksamkeit zukommen darf oder eben auch nicht. Bilder und Bildsequenzen erzwingen Empathie und können durch diese Empathie, wie aufgezeigt, sehr rasch zu grundsätzlichen Einstellungsänderungen in einer Gesellschaft führen. Solche Veränderungen sind jedoch, wie ebenfalls im Hinblick auf die Rolle des Konsumenten als Voyeur aufgezeigt wurde, nur bedingt erwünscht. Denn Empathie darf unter den derzeitigen Verhältnissen eines stagnierenden Medienmarktes und eines immer rücksichtsloseren Kampfes ums Überleben nur dort riskiert werden, wo der Konsument als Voyeur durch die Ferne des Problems nicht zu massiv irritiert und zu Veränderungen seiner eigenen Lebenswelt aufgerufen wird.

Andererseits hat Empathie jedoch die Selbstdefinition des Bürgers, kritisch zu sein, immer wieder durch homöopathische Dosen emotional zu unterfüttern. Dies führt konkret dazu, dass etwa Bildsequenzen von elendiglich im Ölschlamm verendenden Vögeln, auch wenn es fallweise um ganz andere Meeresstrände und ganz andere Öltanker-Unfälle geht als die gerade in Rede stehenden, immer wieder gezeigt werden können, zumal in solchen Fällen die Schuld am Skandal internationalen Multis und dem abstrakten Übel des Kapitalismus zugeschrieben werden kann. Ebenso sind, geboren aus letzten Fragmenten kolonialen Übermenschentums, Bilder von verhungernden afrikanischen Kindern und ihren Müttern gerade noch als Werbeträger für die heimische Caritas akzeptabel. Auch hier ist es dem Bürger möglich, lediglich viertelerschüttert sitzen zu bleiben und darüber Klage zu führen, dass man gegen derlei Missstände leider nichts unternehmen könne außer zu spenden. Dies betrifft in Österreich selbst naturgemäß auch den Gipfel heimischer Charity-Heuchelei, die vorweihnachtliche Sendung „Nachbar in Not“, welche Künstler und Politiker mit Freude benützen, um ihren guten Ruf als edle Menschen aufzumöbeln, und die der Medienkonsument als Voyeur ebenfalls freudig begrüßt, um sich in bester Tradition abendländischen Ablasshandels von den Nöten seiner Mitbürger wenn nicht schon freizukaufen, so doch freizusehen.

Zweifelsfrei hat oe24.tv gegen das Dogma der Distanz, die schmerzhaftes Engagement zu verhindern hat, verstoßen, was die darauffolgende Flut von Beschwerden verständlich macht. Die Bildsequenz, die zeigte, wie ein islamistischer Attentäter einen unbeteiligten Passanten in der Wiener Innenstadt erschießt, legte nämlich zu bildmächtig den Finger auf jene schwärende gesellschaftliche Wunde, mit der man sich in unausgesprochenem kollektiven Übereinkommen weiterhin nicht zu beschäftigen gedenkt, weder in der Öffentlichkeit noch im privaten Bereich, um zwangsweise damit einhergehende geradezu bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen im Sinne des gesellschaftlichen Friedens, vor allem jedoch aus Feigheit und Faulheit zu verhindern. Dabei geht es nicht nur um die Frage, inwieweit der vor einigen Jahren noch den Zeitgeist dominierende Traum von einer multikulturellen Gesellschaft und eine daraus abgeleitete Willkommenskultur als träumerischer Ausfluss links-grüner Weltverbesserungssehnsüchte gescheitert ist bzw. inwieweit infolge einer unkontrollierten Immigration noch große und teure Probleme auf die österreichische Gesellschaft und den österreichischen Steuerzahler warten? Es geht um die noch viel unangenehmere und grundsätzlichere Frage, wie muslimische Gläubige als Bürger oder Gäste Österreichs ihr christlich geprägtes Gastland beurteilen, ob sie seine Sitten und seine Kultur des Umgangs miteinander akzeptieren, ob sie die Absicht haben, sich in diese Traditionen zu integrieren oder ob sie doch eher abgeschottete und feindliche Kulturcluster mit eigener Gesetzgebungzu bilden versuchen?

Zuletzt geht es, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass viele heimische Medien an hohen Feiertagen in Verquickung von Staat und Religion aus der Fehlmeinung heraus, sie müssten gläubigen Bürgern predigen, die Rolle von kirchlichen Verlautbarungsorganen übernehmen, um die Frage, ob der Islam mit seinem verheerenden Blick auf die Ungläubigen tatsächlich eine von theologischen Gesundbetern gepriesene Friedensreligion und nicht vielmehr sui generis eine menschenverachtende und totalitäre Weltanschauung ist, was unweigerlich zur nächsten und letzten entscheidenden Frage führt: Ob dieser totalitäre und menschenverachtende Charakter nicht auch für den durch ein aus der Zeit des Klerikal-Faschismus stammendes Konkordat abgesicherten und durch mächtige Vorfeldorganisationen wie die Caritas in die Gesellschaft implementierten Katholizismus gilt? Ob also das Christentum, das Österreich über Jahrhunderte prägte und das derzeit durch die Säkularisierung zu einer weltanschaulich geduckten Haltung gezwungen ist, nicht nur in seiner Geschichte, sondern auch in der unmittelbaren Gegenwart in vielen relevanten Fragen wie etwa Sexualmoral, Abtreibung, In-vitro-Fertilisation oder Liberalisierung der Sterbehilfe nicht eine ähnliche, zu terroristischen Ausfällen gegenüber den Mitbürgern neigende und durch zahlreiche Lohnschreiberinnen sich als humanistisch gebärdende, in Wahrheit totalitäre Weltanschauung ist?

Von all diesen Fragen will weder der Konsument als Voyeur, Spanner und Gaffer noch die mediale Zunft als Zulieferer abendlicher Scheinaufklärung etwas wissen. Dass Vater und Sohn Fellner diese diskrete Übereinkunft, wenn auch aus unlauteren Motiven, bloßgelegt haben, ist ein Verdienst, weshalb der österreichische Presserat in seiner heuchlerischen moralistischen Selbstüberschätzung gut beraten wäre, den ganzen Akt, um es auf gut altösterreichisch zu sagen, in Vorstoß geraten zu lassen.

Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Hans Pöham

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Ich bin von den zu e-Papier gebrachten Ergebnissen geschöpfter Werke selten einmal unberührt. Herr Alois Schöpf fährt immer wieder – nichts lieber als das – in den, laut Material-Daten-Blatt des Herstellers voll ausgehärteten Beton, prüft ihn zu einem Zeitpunkt, wo Prüfbedarf der breiten Masse obsolet erscheint. Denn bei makellos glänzenden, allseits gestützten Bauwerken ist man sehr dazu verführt, auf ihre Beständigkeit vertrauen zu müssen. Wieso sollte man prüfen? Nur die notorischen Skeptiker, die Spaßverderber, zweifeln alles an. Die anderen fühlen sich totsicher sicher. Ich sehe ihn nicht als einen dieser Skeptiker. Er ist einfach ein von mir geschätzter, integrer Mitarbeiter des Amtes für Materialprüfungen. Dort hat er seinen Arbeitsplatz. So ein Mensch darf – manchmal als arrogant gesehen – seine Motivation auch darin suchen, sein Spiegelbild in all dem – was reflektiert – zu schauen. Die Welt ist ein Spiegelsaal. Seine Intention aber scheint mir mehr darin zu liegen, das Vertrauen in den Beton erschüttern zu wollen. Im Land, wo die spirituellen und die säkularen Führer den Leuten gern eine Art Wohnzimmer vorgaukeln möchten, in dem der Herrgott im Winkel, die zehn Gebote und der Landesfürst an der Wand hängen müssen. Wo der Dekalog mitregieren darf, in dem das Vater-und-Mutter-Ehren vor das Nicht-Töten gereiht wird. Wo das Z´amm-Halten jetzt einmal Credo sein muss, um an dieser potemkinschen Kulisse jeden Hauch einer Schuld am schweren März-Atmen in den Intensivstationen Europas kalt abprallen zu lassen, um das Denken auf Linie zu bringen, wo deshalb die Aufklärung Not leiden muss, was den Lenkern in ihren Rollen als fahrlässige Betonmischer und Volksvertreter-Simulanten wurscht sein kann. Fürstlich entlohnt, im von Spendier-Händen gestopften Partei-Korsett, zwingt es sie ohnehin in den aufrechten Gang des Flachrückens. In diesen Umständen sehe ich es als ein Glück, wenn es Materialprüfer gibt, die die Monotonie dieses Denkens stören. Wenn einer mit dem schreibenden Fremdmagneten in der Hand versucht, die gleichgerichteten Magnetnadeln in den Gehirnen durcheinanderzubringen, damit sie sich neu ordnen müssen.
    Selbstverständlich muss Herr Schöpf in diesem Anliegen auch – vordergründig betrachtet – bedenklichen Beton anrühren. Er muss verstören, wenn er manchmal dabei auch Lobby-Zement untermischt. Er tut es, weil er sein Land nicht hängen lassen kann, weil er es liebt. Und Geschichten, wenn sie interessant sein wollen, wenn sie gelesen werden sollen, haben immer auch diese unerwarteten Wendungen und Biegungen.
    Ich finde diese Art zu mischen, den Leser immer wieder einmal bis an die Ränder des Denkbaren zu führen, eine spannende Rezeptur. Mich schlägt es meist auf seine Seite. Ich greife meist gern in den Regalen der diversen Denkerbaumärkte nach dem kreativen, die Produktpalette bereichernden Hobby-Beton der Marke Alois Schöpf. Er erscheint mir nicht so selten besser als der Profibeton der nationalen Mischer. Die bedenklichen ideologischen Zuschlagstoffe unserer Zeit können – sei´s gedankt – bei ihm unter „Es können Spuren von …. enthalten sein!“ aufgelistet werden.

  2. Lieber Alois, ich habe gerade Deinen Essay gelesen und hätte gerne immer wieder eines der erwähnten Fotos angesehen oder mich über eine Person kurz informiert. Könntest Du Dir daher vorstellen einige ausgewählte Links zu ergänzen? Ich denke dabei natürlich vor allem an das Foto von Kim Phuc. Herzlich Andreas

  3. Prof.Ing.Helmut Mader

    Hervorragend und viel, viel zu bedankende Arbeit samt Lesen und Sammeln!
    Alois Schöpf ist unentbehrlich geworden!

  4. Gerda Walton

    Lieber Alois,
    In Ermangelung eines für meinen nur durchschnittlichen Intelligenzquotienten mit gutem Willen gerade noch erträglichen Fernsehprogrammes (ich kann es, auf den Punkt gebracht, schlicht und einfach nicht mehr mit ansehen, wie im Verlauf einer Stunde mindestens zehnmal Menschen ein Teststäbchen in die Nase gesteckt wird), habe ich mich gestern resigniert einer anderen Segnung unserer Technik, nämlich dem Internet, zugewandt. Obwohl Du uns diesmal fast ein Buch zugemutet hast, habe ich Deine wieder einmal höchst anspruchsvollen Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Die zunehmende Brutalität im Fernsehen und die unausweichliche Verrohung gewisser Bevölkerungskreise, die Fiktion (oder fake) vom echten Leben nicht mehr zu unterscheiden vermögen, bereitet auch mir echt Sorge.
    Mit von Seite zu Seite steigender Bewunderung Deiner höchst eloquenten Sprachkunst habe ich mich in Deinen Wutschrei gegen die diese Erde bevölkernde Menschheit, insbesondere die journalistisch tätige, vertieft und dabei unwillkürlich an eine befreundete alte Damen denken müssen, die mir einmal erklärt hat, schon lange keine Zeitung mehr zu lesen und seitdem weit besser zu leben.
    Diese „Vogel- Strauss- Methode“ ist natürlich nicht jedermanns Sache. Sie erspart einem aber zumindest den sich allmorgendlich steigernden Zorn, wenn man die Zeitung aus dem Briefkasten holt und durch teure Riesenanzeigen wieder und wieder mit sich bereits ins Absurde gesteigerter Penetranz mit Corona- Verhaltensregeln überschwemmt wird. Sind wir als Volk wirklich so dumm und ignorant, dass uns anders nicht beizukommen ist oder sind wir jetzt endgültig in Absurdistan gelandet? Dass Corona bei vielen Gehirnschäden verursachen kann, wird uns ja ständig erklärt, aber sind wir als Volk wirklich so geistig minderbemittelt, dass wir das brauchen? Oder facht dieses krasse Hinauswerfen ohnehin nicht mehr vorhandener Steuergelder nicht eher die Flamme des Widerstandes an? Unwillkürlich stellt man sich auch die Frage, wie das wohl jene sehen mögen, die seit vielen Monaten ums nackte Überleben kämpfen und um staatliche Hilfe betteln müssen, oder zittern, ob sie womöglich bereits morgen ihren Betrieb zusperren müssen, weil alle Mitarbeiter in Quarantäne sind.
    Lieber Alois, lass es mich auf den Punkt bringen – wo Menschen sind, da menschelt’s. Das zu ertragen ist der Preis für unser Dasein auf dieser Erde. Und jetzt mache ich mich auf und stärke mein Immunsystem durch einen langen Spaziergang durch den Wald, obwohl das meines Wissens noch in keinem Inserat empfohlen wurde.
    Gerda Walton
    PS: Das von Dir erwähnte Bild des aus dem Krieg fliehenden vietnamesischen Mädchens werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen!

  5. Wolfgang Burkhardt

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    in der heutigen TT auf Seite 7 gibt es eine grafische Darstellung der Sterbezahlen mit der Aussage, dass es seit 1978 (Extreme Grippe) nicht mehr eine so hohe Anzahl an Toten in einer Woche gab.
    Gestern wurden dieselben Daten im Servus TV ausgiebig analysiert und umgehend relativiert.
    So sei ein direkter Vergleich mit 1978 laut Servus TV nicht zulässig, weil damals eine andere Altersstruktur in der Bevölkerung vorlag.
    Heute gäbe es mehr alte Menschen als damals, daher täusche die Darstellung. Altersbereinigt würde es real weniger Tote geben.
    Nun – abgesehen davon, dass diese Korrektur den Alten von heute wenig hilft, so hat doch die „Objektivierung“ in den Servus Nachrichten vom 03.12.2020 19:20 eine interessante Überlegung in mir in Gang gesetzt: Servus TV versucht Daten vergleichbar zu machen – das ist grundsätzlich begrüßenswert.
    Servus TV hat aber offensichtlich zwei wesentliche Einflussfaktoren bei der Objektivierung der Sterbezahlen vergessen:
    1.) Wie viel mehr Tote würde es geben, wenn wir wie 1978 keinerlei Maßnahmen getroffen hätten, um die Ansteckungszahlen zu verringern. Ich würde annehmen, die Anzahl der Toten wäre um ein Vielfaches höher.
    2.) Wie viel weniger Tote und wie viel weniger Schaden an der Wirtschaft würde es geben, wenn Servus TV nicht permanent daran arbeiten würde, die Maßnahmen der Regierung zu relativieren, um nicht zu sagen zu untergraben?
    Herr Schöpf, würden sie eventuell Interesse haben, diese Überlegungen in ihrer Kolumne zu verarbeiten, wo sie an prominenter Stelle für viele sichtbar wären?
    Mir geht es in erster Linie darum, dass aufgezeigt wird, wie man bei Servus TV arbeitet. Und ich finde das Beispiel ist leicht verständlich und entbehrt bei allem Ernst nicht einer gewissen Komik.

  6. stephan eibel

    wenn ein text sprachlich mich an brot erinnert, brot im sinne von lebensnotwendig, dann ist es dieser text!

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