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Vanessa Musack, Bis weit hinter den Achensee…
Das Hotel Windegg in Steinberg am Rofan

Vorbemerkung:
Wenn heute ein Betrieb zehn Arbeiter oder Angestellte „freisetzt“, wie das so schön heißt, wird nicht selten mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns in den Medien darüber berichtet. Wenn hingegen ein Wirtschaftsbetrieb, wie im Fall Windegg, zur Betriebsauflösung gezwungen ist, oder gar, wie es mitleidslos heißt, in Konkurs geht, hält sich das Bedauern in Grenzen, liegt doch dem zeitgeistigen Mainstream die Annahme zugrunde, wonach die meist schlechten Charaktereigenschaften von Unternehmern keines Mitleids würdig seien. Wer allerdings die Möglichkeit hat, dieses Vorurteil in seinem Bekanntenkreis auch nur ansatzweise zu überprüfen, weiß, dass es in den meisten Fällen nicht zutrifft. Und er weiß, dass sich das Ende eines Betriebes für die daran Beteiligten nicht selten zu einer großen privaten Katastrophe auswächst.

 

Dies ist denn auch der Hauptgrund, weshalb das Beispiel eines solchen wirtschaftlichen Niedergangs an dieser Stelle von einer unmittelbar Betroffenen dargestellt wird. Ein weiterer Grund besteht darin, dass der architektonisch bewundernswert gelungene Baukörper des Hotel Windegg ausführlich Gegenstand der Berichterstattung und damit auch ein Hoffnungsträger war, den Tiroler Touristikern abseits der Auswüchse des kitschigen Alpenbarock ein ästhetisch gelungenes Beispiel aufzuzeigen. Dass ausgerechnet dieses Beispiel ein rasches Ende erlebte, war für all jene, die sich über das neue Projekt freuten und darüber begeistert berichteten, eine herbe Enttäuschung. Und es erzwang erneut die Frage, inwieweit erfolgreicher Tourismus in Kombination mit moderner Baukunst in den Alpen überhaupt möglich ist? Eine Frage, auf die es bis heute noch keine überzeugende Antwort gibt!
Alois Schöpf

Das Hotel Windegg in Steinberg am Rofan war schon als kleine Pension seit den 30er Jahren im Besitz der Familie Rupprechter. Mit dazu gehörten eine Landwirtschaft und ein Wald von je 10 Hektar.

In den 60er Jahren fand der erste An- und Umbau durch meine Großeltern, Fritz Rupprechter sen. und seine Frau Maria, statt. Die beiden entwickelten das Gasthaus Windegg zu einer feinen Adresse für Städter, die zur Sommerfrische anreisten. Mit dem Bau der beiden Skilifte im Ort kamen auch Gäste im Winter.
Maria Rupprechter war damals eine der wenigen GastronomInnen, die sowohl Italienisch als auch Französisch perfekt sprachen und so kam es zu einer engen Zusammenarbeit mit der Tirol Werbung.

In den späten 80er Jahren wurde das Hotel von Franz Rupprechter, dem älteren Sohn von Fritz sen. und Maria, übernommen. Zu den Aktivitäten, die im Hotel Windegg angeboten wurden, gehörten Reiten, Fliegenfischen, Tennis, Wandern, Langlaufen und Alpinski. Im Jahr 1990 sollte das Hotel erneuert und erweitert werden. Die Familie hegte den Wunsch, etwas Neues zu schaffen, das sich geschmeidig in die Tiroler Berglandschaft einfügt, ganz abseits des in Tirol bekannten Stils. So wurde das Hotel Windegg durch den Tiroler Architekten Hans Peter Petri geplant, den Fritz Rupprechter jun., der jüngere der beiden Rupprechter Brüder, aus seiner Zeit in Wien kannte.

 Hotel Windegg in Steinberg am Rofan

Das folgende Jahr brachte für die Familie einen großen Verlust, da Maria Rupprechter im Alter von nur 53 Jahren verstarb. Von da an wurde Franz von Fritz jun. und seiner Frau Judith im täglichen Hotelgeschehen unterstützt. Die Lücke, die Maria Rupprechter hinterlassen hatte, war anfangs sehr schwer zu füllen, denn die drei Gastronomen waren noch sehr jung und es fehlte Ihnen an Erfahrung, die sie in einer wirtschaftlich angespannten Zeit dringend hätten brauchen können.

Der Umbau des Hotels erregte viel Aufsehen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn: 1992 bekam der Anbau des Hotel Windegg (gemeinsam mit einer Kapelle, die Peter Zumtor geplant hatte) den 1. Architekturpreis für Neues Bauen in den Alpen (Neues Bauen in den Alpen: Architekturpreis der Vereinigung „Sexten Kultur“ für zeitgenössische Bauten und Projekte in den Alpen).

 Hotel Windegg in Steinberg am Rofan, Strassenseitig
Hotel Windegg in Steinberg am Rofan, Strassenseitig

Im Mittelpunkt des Hotelensembles, als leichtes Verbindungsstück zwischen Altbau und dem neuen Bettentrakt, befand sich die über drei Ebenen gegliederte Hotelhalle mit Kaminplatz im Parterre, der als Treffpunkt fungierte und zum Austausch einlud. Die Bar war auf der mittleren Etage angesiedelt und auf der letzten Ebene gab es eine Galerie mit Bibliothek, die Ausblick in die unberührte Natur bot.
Von dem internationalen und weit gereisten Publikum des Hotel Windegg konnte ich immer wieder vernehmen, dass sie noch nie eine so zeitgemäße, elegante, in den Materialien reduzierte und perfekt im Detail abgestimmte Hotelhalle gesehen hatten. Auch ich habe nie wieder einen Platz gefunden, der auf so harmonische Weise in die Umgebung integriert ist und ganz ohne den überwiegend gängigen überladenen Kuschelstil auskommt und so zum Loslassen einlädt. Luxuriös war allein der Reichtum des Raumangebots, das zum Verweilen einlud, ohne durch kurzlebige Trends zu irritieren. Ziel einer architektonischen Planung muss es doch sein, Räume zu schaffen, die auch über Generationen hinweg Gültigkeit haben. Das Schöne dabei ist, dass diese Räume Geschichten von den Menschen erzählen, die dort eine einzigartige Zeit verbracht haben. Man musste schon bis weit hinter den Achensee fahren, um diesen Ort zu finden. Auch heute noch erinnern sich ehemalige Gäste des Windegg sehr gerne an diesen besonderen Platz.

Hotel Windegg, Halle
Hotel Windegg, Halle

Der geräumige und hohe Hallentrakt war prädestiniert, um moderne Kunst auszustellen und so wurden zweimal im Jahr Ausstellungen von österreichischen und internationalen KünstlerInnen gezeigt, darunter Martha Jungwirth (Österr. Staatspreis 2019), Elfie Semotan, Clemens Kaletsch, Hans Weigand, Gunter Damisch, Erwin Bohatsch, Raymond Pettibon, um nur ein paar zu nennen. Einige Ausstellungen wurden in Kooperation mit der Innsbrucker Galerie Thoman gezeigt und mit der Zeit kamen Kunstschaffende auch auf die Familie Rupprechter zu.
Das Kunstprojekt wurde durch sieben Zimmer, die von bekannten österreichischen KünstlerInnen bebildert wurden, erweitert.

Die Hotelhalle war für die Rupprechters und ihre Gäste eine Bühne. So wurde die Poesie Station Steinberg am Rofan, geleitet von Kurt Weinzierl, ins Leben gerufen. Es fanden Lesungen und Kabaretts mit Größen der Literatur- und Schauspielszene statt. Der bekannte Jazzmusiker Johannes Faber trat auf und auch die Gruppe Franui in ihren Anfängen.

Schon in den 80er und 90er Jahren hatte das Windegg eine sehr gute Küche. Mit der eigenen Landwirtschaft und dem Fischwasser konnten immer Lebensmittel von höchster Qualität angeboten werden. Seit 1995 hatte das Hotel Windegg eine Haube bei Gault Millau und 2000 kam eine weitere dazu. Zu dieser Zeit war das Restaurant des Hotel Windegg das einzige neben Alexander Fankhauser mit zwei Hauben im Bezirk Schwaz.

Und dann muss natürlich noch die einzigartige Gastlichkeit der Rupprechters Erwähnung finden: Sie wussten immer, was es braucht, damit sich ein Gast wohl fühlt. Das Hotel Windegg bekam dadurch eine unverwechselbare Atmosphäre, ja eine Seele, die nur, so wage ich zu behaupten, in ganz wenigen Hotels zu finden ist. Über das Windegg wurde in renommierten Medien, wie dem Manager Magazin („Idyll mit weißen Wänden“, 1990), der FAZ („Braucht der Urlauber Geranien am Balkon“, 2005) und der Zeit („Wenn Ruhe nicht mehr reicht“), geschrieben.

Hotel Windegg, Bettentrakt Neubau
Hotel Windegg, Bettentrakt Neubau

Bis 1990 hatte die Familie Rupprechter nie eine finanzielle Krise. Erst durch zu hohe Baukosten des Neubaus und die ganz gewöhnlichen Anlaufschwierigkeiten kamen finanzielle Engpässe. Wenn man den Wunsch hat, etwas Neues zu inszenieren, den Menschen etwas Unbekanntes zu bieten, etwas, was es in dieser Art noch nicht gegeben hat, dann ist das immer ein sehr gewagter Schritt. Man muss sich darauf einstellen, so einiges in Kauf zu nehmen, denn die Ablehnung von Unbekanntem ist ein Phänomen, das seit jeher in der Geschichte vorzufinden ist. Ich kann mir vorstellen, dass meiner Familie gar nicht bewusst war, wie visionär und wie mutig sie eigentlich gehandelt hatte.

Gerade in so einer Situation ist es wichtig, einen wirtschaftlichen Partner an seiner Seite zu wissen, der für das Projekt dieselbe Begeisterung teilt und dieses unternehmerisch unterstützt. Als eine bedeutende Herausforderung galt es, die Gästeschicht in eine komplett neue Richtung zu dirigieren: Vom durchschnittlichen Sommer- bzw. Wintergast hin zu einem internationalen Publikum, einer gebildeten Mittelschicht, Freiberuflern, Familien und Paaren, die sich an der Natur erfreuten. Sie konnten als Liebhaber von zeitgenössischer Kunst, Architektur und Kultur beschrieben werden und genossen in einer angenehmen Atmosphäre die Ruhe und das Kulinarische. Diesen visionären Partner zu finden wurde seitens der Familie bestimmt zu wenig Augenmerk geschenkt. Die im Bezirk Schwaz ansäßige Bank wurde vermutlich übereilt mit ins Boot geholt, denn die Leitung der Bank hatte weder für das Konzept Verständnis, noch wurden in der heiklen Übergangsphase ernsthaft gemeinte Hilfen angeboten. Die Geschäftsverbindung entwickelte sich zum Desaster, die Familie Rupprechter wurde in die Enge getrieben, bis auch die Landwirtschaft und jeder Quadratmeter besichert waren.

Die Causa Windegg wurde zum Machtspiel der Bank gegen die Familie: Die politischen Verantwortlichen standen an der Seitenlinie und die Unterstützung bestand eher in Lippenbekenntnissen als ehrlich gemeinten Lösungsansätzen. Obwohl Fritz Rupprechter sen. als langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Steinberg am Rofan und treuer ÖVP Politiker tätig war, ging niemand das Risiko ein, die eigene gesicherte Position zu gefährden. Als einzige große Ausnahme möchte ich Frau Dr. Elisabeth Zanon nennen, die immer wieder Gespräche und Verhandlungen mit bekannten Tiroler Politikern initiierte.

2001 konnte die Familie dem Druck der Bank nicht mehr standhalten und gab die Schlüssel ab. Es kam zu einer Zwangsverwaltung mit vielen Kollateralschäden und die Immobilie wurde in kürzester Zeit entwertet.

Um die Hotelimmobilie größer, attraktiver und somit interessanter für potentielle Käufer zu gestalten, lag es im Interesse der Bank, dass meine Familie Teile des zur Landwirtschaft gehörigen Grundstücks abtrat. Es wurden ihr hierfür im Gegenzug Vorteile beim späteren Erwerb der Landwirtschaft zugesichert, die allerdings nie eingehalten wurden. Die Alpinschule Innsbruck erwarb das Hotel für 600.000 Euro. Die Familie hatte der Bank jedoch bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine Summe geboten, die um ca. 40 Prozent darüber lag. Das Angebot wurde von der Bank abgelehnt. Die Familie Rupprechter sollte den Besitz nicht mehr bekommen, so das (auch verbal geäußerte!) Ziel des Bankdirektors.

2005 wurde schließlich die Landwirtschaft versteigert, obwohl die Familie Rupprechter gemeinsam mit dem Landeskulturfond eine Summe aufgebracht hätte, die ausreichend bemessen gewesen wäre. Bei der Versteigerung wurde meine Familie von einem Hotelier aus der Region, der Landwirtschaften sammelt, ausgebootet: Der Hotelier hatte mit der Bank einen fixen Betrag vereinbart und konnte daher beliebig nach oben hin steigern, ohne diesen auch tatsächlich begleichen zu müssen. Im Endeffekt war die real bezahlte Geldsumme ebenso hoch wie die Zahlung, die auch die Familie Rupprechter getätigt hätte. Die Familie erhob zwar Einspruch gegen den Kauf und der Rechtsstreit wurde zweimal beim Verfassungsgerichtshof abgehandelt, doch nach Jahren des Wartens haben die Rupprechters schließlich aufgegeben. Die Belastung, mit einer Bank im Rechtsstreit zu sein, war für meine Familie zu groß.

Hotel Windegg, Halle von oben
Hotel Windegg, Halle von oben

Wenn ich an das Hotel Windegg zurückdenke, so begleiten mich sehr starke Gefühle: Leichtigkeit, Neugier, Spannung: Für meine Kinderaugen gab es so viel zu entdecken und ich hatte den Drang, alles in mich aufzusaugen. Stammgäste, für die das Windegg ein zweites Zuhause geworden war und die im Jahresverlauf immer wieder kamen, erwartete ich immer schon mit großer Vorfreude.

Im Außen, in dem kleinen Dorf Steinberg, wurde ich von vielen bestimmt als sehr anders wahrgenommen, was ich allerdings, gestärkt durch die damals gefestigte Position meiner Familie, kaum spürte. Natürlich enthielt mein Leben sehr viel Anpassung; ein Rollenspiel, das mich nicht schmerzte, das ich gut beherrschte und das meinen Alltag um vieles unkomplizierter gestaltete. Nachdem meine Familie das Windegg verloren hatte – ich hatte bereits mein Studium in Innsbruck begonnen – änderte sich das zunehmend. Steinberg am Rofan war nicht mehr der kleine Ort, in den ich heimkehren und in dem ich Kraft tanken konnte, so wie ich es aus meinen Kindertagen gewohnt war.

Es ist viel Zeit vergangen seit der Schließung des Hotels. Mein Vater, Fritz Rupprechter jun., hat bis zuletzt in einem langen und persönlich kräfteraubenden Kampf versucht, dass das Hotel Windegg und die Landwirtschaft wieder an die Familie Rupprechter zurückgehen. Viele Dinge konnten niemals von ihm richtiggestellt werden, zu viel musste leider unkommentiert seitens meiner Familie bleiben, weil wir nicht die Möglichkeit dazu bekommen hatten. Es ist ein Gefühl der Ohnmacht, wenn man nicht Stellung zu etwas beziehen kann, vor allem dann, wenn es etwas sehr Persönliches betrifft. Meine Familie hatte schließlich ihr ganzes Herzblut in das Hotel Windegg fließen lassen. Nach meinen schönen jungen Steinberger Jahren musste ich auf sehr harte und einprägsame Weise lernen, dass die Welt nicht immer gerecht ist und es nur ganz wenige wirklich mutige Menschen gibt, die sich für einen einsetzen, wenn dieses Tun die eigene bequeme Situation gefährdet.

Die Familie Rupprechter lebt heute nicht mehr in Steinberg am Rofan. Dennoch ist es mir ein großes Anliegen, das Vermächtnis meiner Familie in Ehren zu halten. Das Windegg war wohl das erste auf die Synergie von Architektur, Kultur und gehobener Gastronomie ausgerichtete Hotel. Diesem Beispiel sind einige gefolgt und mit dem Konzept heute auch erfolgreich. Moderne Architektur ist selbstverständlich geworden, auch in Tirol. Das visionäre Projekt war eine sehr mutige Entscheidung, nur fand es zur falschen Zeit am falschen Ort statt, um eine Erfolgsgeschichte zu werden.

Vanessa Musack wurde am 20. Juli 1981 in Wien geboren und wuchs im Hotel Windegg in Steinberg am Rofan auf. Von 2000 bis 2005 studierte sie Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck, Groningen (NL) und Montpellier (F). Ihre Diplomarbeit, „Universitäre Spin-offs als Quelle Nationaler Innovationen“, wurde mit dem Graf Chotek Hochschulpreis ausgezeichnet. Nach dem Studium absolvierte Vanessa Musack ein einjähriges Praktikum bei der Firma Salomon in Annecy (F) in er Abteilung für Internationale Kommunikation. Ab 2007 war sie für die Österreich Werbung in Brüssel als Pressesprecherin tätig. Im Zuge ihres einjährigen Auslandsaufenthaltes auf Madagaskar arbeitete sie für ein einheimisches Reiseunternehmen und schulte Mitarbeiter im Bereich Marketing. Nach ihrer Heimkehr 2011 betreute sie für die Tirol Werbung die Reisepresse auf den deutschsprachigen Märkten. Vanessa Musack hat vier Kinder und arbeitet für das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti.


Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Paul Treichl

    Schade, dass ein so architektonisch wertvolles und herausragendes Projekt von zu wenigen Leuten angenommen und verstanden worden ist. Ich bin selbst Architekt und weiß daher, dass es in Tirol nach wie vor schwierig ist, mit moderner Architektur gegen die Auswüchse der Lederhosenarchitektur anzukommen. Umso schöner finde ich es, dass das Windegg auf Ihrer Plattform den Zuspruch findet, den es immer schon verdient hätte. Lieber Herr Schöpf, liebe Frau Musack, vielen Dank für diese tolle und aufschlussreiche Darstellung,die hoffentlich zum Denken anregt.

  2. Silvana

    Lieber Herr Schöpf,
    vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
    Wenn ich an das Hotel Windegg denke, so denke ich stets an Neugier gegenüber dem Unbekannten, Offenheit und Leichtigkeit – wie es auch Vanessa in dem Artikel beschreibt.
    Es war ein Platz, an dem man sich wohlfühlen konnte und an dem jeder willkommen war.
    Ich habe es als unglaubliche Bereicherung empfunden in einem internationalen Umfeld aufwachsen zu dürfen und einen Ort, der allen Sparten der Kultur zugewandt war, mein zu Hause nennen zu dürfen.
    Meine Vergangenheit und so auch die Geschichte des Hotel Windegg machen mich in meiner Essenz als Menschen aus. Umso schwieriger war es für mich mitzubekommen, dass meine Familie vieles nie richtigstellen konnte.
    Daher freut es mich ganz besonders, dass Sie dem Windegg auf ihrem Blog heute eine Bühne geboten haben. Herzlichen Dank.
    Silvana Rupprechter

  3. Josef Treichl

    Die Macht der Banken – sie sind nur da, wenn man sie nicht braucht.
    Es ist schon bemerkenswert – der Vorstand und/oder leitende Angestellte schädigt die Bank um 6-stellige Beträge, um seine Rachegelüste zu befriedigen. Es gibt sicher keine schriftlichen Aufzeichnungen, also kann man die kriminellen Machenschaften auch nicht beweisen.
    Und eine Bank ist immer stärker als Kunden, die klagen, noch dazu, wenn es ihnen gerade schlecht geht.
    Interessanterweise kam auch beim Verfassungsgerichtshof nichts heraus. Auch da braucht man wahrscheinlich viel Geld, ewige Geduld – und viel Glück.
    Es ist wirklich skandalös.

  4. Ein würdiger Nachruf und eine interessante Analyse. Eine Person, die in finanziellen Belangen fit, nach innen durchsetzungsfähig ist und nach außen z.B. mit Banken reden kann, ist auch in kleinen Unternehmen unentbehrlich. Das hier geschilderte Verhalten der Bank habe ich bei Konkursen, mit denen ich beruflich zu tun hatte, deckungsgleich gesehen.
    Hinterher ist man klüger. Anderswo kann man das sogar verwerten. In den USA gibt es nicht wenige Investoren, die gezielt auf solche Personen setzen. Sie wissen, dass die Betreffenden gelernt haben, wie man es besser angeht. Wenn sie zur Person und deren Idee Vertrauen haben, akzeptieren sie manchmal sogar auch einen zweiten Rückschlag. Leider ist dieses Denken unserem Kontinent fremd.

  5. Ferdinand Mertz

    Ich möchte hiermit Frau Vanessa Musack meinen größten Respekt aussprechen, solch einen detailierten und umfangreichen Artikel über das ehemalige Hotel Windegg verfasst zu haben.
    Ich selbst kenne das Hotel von Kindesbeinen an und habe nur schöne Erinnerungen daran, sowie tolle Erlebnisse dort gehabt. Mich persönlich freut es sehr, dass sich die Familie Rupprechter trotz allem wieder etwas aufbauen konnte.

  6. Ich möchte mich bei Alois Schöpf ebenfalls bedanken, dass er diesen Blog verfasst hat. Vanessa gratuliere ich zur Niederschrift der leider so traurIgen Geschichte. Ich kann nur bestätigen, wie intensiv der Kampf und die Bemühungen um den Erhalt letztlich auch des Bauernhofes war. Die psychische Belastung für die gesamte Familie war aus meiner Beurteilung geradezu unmenschlich. Mir tut es sehr leid, dass ich nicht ausreichend helfen konnte. Aber ich hatte eben auch den Worten von Entscheidungsträgern Glauben geschenkt. Umso mehr freu ich mich darüber, dass die Familie Rupprechter erfolgreich und glücklich ausserhalb des Tales Fuss gefasst hat.

  7. Heidemarie Bender

    Sehr geehrte Frau Musack, sehr geehrter Herr Schöpf!
    Mit großer Überraschung hab ich heute ihren Artikel im Internet gefunden und es ist mir das größte Bedürfnis, etwas dazu zu schreiben.
    Ich bin durch das Höhenbergsteigen zu meinem Tiroler Lebensgefährten gekommen und seit einigen Jahren in Tirol. Nun sind wir gewillt, motiviert und Macher und sind auf das Hotel in Steinberg am Rofan aufmerksam geworden (Hideaway in den Alpen).
    Wir haben viel recherchiert und nach Besichtigung mit der Maklerin, sind wir erstaunt über den super guten Zustand des Hotels und unterschrieben den Kaufvertrag.
    Wir planen mit professionellen Hotelbauern, wir schreiben ein schlüssiges Konzept, wir haben ein 80 Seiten Gutachten erstellt, wir redeten mit der Gemeinde, mit dem Bürgermeister, mit dem Tourismusverband. Wir wollten auch den Namen und das Logo Hotel Windegg wieder verwenden, und haben dies schon ins Konzept mit eingearbeitet. Wir haben auch persönliche Kontakte in Steinberg am Rofan geknüpft, und sind rundherum nur auf Positives gestoßen und jeder würde sich freuen, wenn das Hotel wieder eröffnet würde.
    Dann kamen die Banken ins Spiel und das Dilemma begann.
    Der Wert des Gutachtens liegt höher, als der tatsächliche Finanzierungs-Bedarf. Von daher waren wir sehr zuversichtlich und unsere Eigenmittel würden ausreichend für eine 60% Finanzierung vorhanden sein. Ich bin seit 30 Jahren selbständig und mein Lebensgefährte noch länger.
    Ich hab die beste Bonität, die man erreichen kann, und hab mir noch nie was zuschulden kommen lassen. Ich bin auch seit Jahren in Tirol selbstständig, hab eine GmbH gegründet und das freie Gewerbe zur Zimmervermietung angemeldet. Wir haben alles, um losstarten zu können. Wir hätten schon Mitarbeiter akquiriert oder hätten am Anfang auch nur zu zweit gestartet, voller Motivation in alle Richtungen gedacht.
    Wir haben alles bei mehreren Banken eingereicht, um auf Nummer sicher zu gehen und die optimale Bank zu finden, aber die erste teilte uns mit……dass aufgrund der Vorgeschichte des Hotels und der Lage des Hotels, das Finanzierungsansuchen abgelehnt wurde……
    Die zweite Bank erteilte eine Absage für die Finanzierung……sie haben das Objekt vor Jahren schon mal finanziert und es hat seitens der Betreiber nicht funktioniert, da die Lage sehr abgelegen ist und man ein sehr gutes Konzept benötigt, um den Betrieb wirtschaftlich und nachhaltig zu betreiben…..sie wollen das Risiko nicht noch einmal eingehen….
    Bei der dritten Bank kam ich mit einem dicken Ordner an, in dem mittlerweile mehrere Konzepte, Pläne, Berechnungen, Kalkulationen, Gutachten, Prüfberichte enthalten sind, als ich den Banker fragte, was er davon hält, bekam ich nur die Antwort ……NICHTS!!!!!……
    Wir geben noch nicht auf, auf die ein oder andere Anfrage läuft noch….
    Wobei uns schon auch viele Bedenken in den Sinn kamen. Liegt ein Fluch auf dem ganzen? Oder will man es nicht finanzieren, weil unser Konzept irgendjemandem in die Suppe spuckt?
    Oder möchten die Herrschaften es für jemand anderen aufheben? (Der Gedanke, ob nicht einer der oben genannten Hoteliers eine Rolle spielt?)
    Wir wollen dem Hotel Windegg wieder Leben einhauchen und sind nach wie vor von unserem Konzept überzeugt. Wie gerne würde ich Familienangehörige des ehemaligen Hotel Windegg im Hotel in Empfang nehmen, denn der Artikel von Vanessa Musack hat mich sehr beeindruckt.
    Wir haben in unserem Leben gelernt: Wenn dir Steine in den Weg gelegt werden, dann steige über sie hinweg. Aber dass es so viele in Steinberg am Rofan gibt, hätte ich nicht gedacht, und da hilft auch nicht das Höhenbergsteigen……

  8. Beiträge wie der von Frau Bender kommen nur in einem unabhängigen Blog zur Sprache. Obwohl ich dir natürlich kommerziellen Erfolg wünsche, Alois, für Leser ist es das allein schon wert.
    Im drittletzten Absatz dürfte das Wesentliche angesprochen sein, sogar der Fluch. Der entsteht ja nicht von selbst, sondern wird von jemand ausgesprochen, also mutwillig herbeigeführt. Ich wünsche Frau Bender den Erfolg.

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