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Folgenlos glänzen!

Eines der höchsten Ziele des Menschen ist es, vor den anderen gut dazustehen. Am billigsten wird dies, da es ja nur Gerede ist, dadurch erreicht, dass man fleißig gendert. Es versteht sich, dass ein solch taxfreier Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter bei unseren TV-Moderatoren besonders beliebt ist, können sie doch auf diese Art allabendlich nicht nur ihre Prominenz, sondern auch ihre hohen Gehälter vor dem Publikum rechtfertigen.

So werden, ohne dass wir je darüber befragt worden wären, ob uns das passt oder nicht, aus Amerikanern Amerikaner*innen, aus Wissenschaftlern Wissenschaftler*innen und aus Polizisten Polizist*innen. Das den Lesefluss hemmende Gender-Sternchen wird kunstvoll durch eine Minimalpause angedeutet.

Dass Christiane Pabst, die Chefredakteurin des Österreichischen Wörterbuchs, die durch die besondere politische Korrektheit des Duden angeheizte Debatte über die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sprache für eine Feigenblattdiskussion hält, zeigt erfreulich, dass noch so große Anbiederungen an das weibliche Geschlecht die Vernunftfähigkeit vieler Frauen, sofern mir diese Aussage als Mann überhaupt zusteht, nicht ausgehebelt hat. Durch konkrete gesetzliche Besserstellungen wäre Ihnen nämlich mehr geholfen als durch die Malträtierung der deutschen Sprache. Selbige als eine blanke Katastrophe zu bezeichnen, steht mir als Schriftsteller nämlich zu.

Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Klaus Püspök

    Sehr geehrter Herr Schöpf, vielleicht haben Sie in Ihrer Recherche zu Ihrem Kommentar (Folgenlos glänzen!) den Artikel Tarek Leitners „Meine Zuseher*innen“ im Profil vom 09.01.2021 übersehen? Findet sich da nicht ein ehrliches Bemühen oder doch bloß eine Rechtfertigung von Prominenz und hohem Gehalt?

  2. Hier sitze ich – und kann nicht anders …:

    Die Gender-Sternchen, Binnen-Is,
    verätzen Deutsch nicht unbeträchtlich;
    ich halte sie für mies, ja fies
    und mustere sie stets verächtlich.

    Indes ich fürchte, dass das gendern
    – erwirkt von regen HeißspornInnen –
    (denen man(n) schwerlich kann entrinnen)
    auf Dauer unser Deutsch wird ändern.

    Daher: Viel Dank sei allen jenen,
    die dennoch nicht zurück sich lehnen;
    ergo, werter Meister Schöpf:
    Die Gender-Hydra weiter köpf`!

  3. Peter Walch

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Zu ihren Apropos vom Samstag, 13. März 2021 in der TT unter dem Titel „Folgenlos glänzen“ möchte ich Ihnen gerne ein paar Zeilen schreiben.
    Es regt mich selbst schon lange diese gekünstelte, geradezu zwanghafte Gendersprache auf. Es ist geradezu ein Sog, der – Sie schreiben es – die TV-Moderatoren zwanghaft erfasst hat. Es stellt sich schon die Frage, mit welchem Recht hier die deutsche Sprache verhunzt wird und man permanent mit diesem Wortterror konfrontiert werden muss. Denn, die wahre Gleichstellung der Geschlechter, speziell im Berufsleben, wird durch diesen Sprech nicht erreicht werden. Es wird halt so sein, es kostet nichts, und man schwimmt komfortabel im Genderstom mit, und das wird es schon gewesen sein. Es würde jetzt zu weit führen, aber begonnen hat dieser Unsinn mit dem Einfügen von Töchtern in die Bundeshymne. Zum Singen ein Zungenbrecher, und einen Text einer Frau (Paula von Preradovic) im Nachhinein abzuändern, da kann man sich auch manche Frage stellen.
    Ich halte fest: Will man wirklich die Gleichstellung der Geschlechter erreichen, dann muss man das auf politischer Ebene anpacken, alles andere sind Nebenschauplätze, mit mehr Schaden als Nutzen, denn die Sprache Goethes und Schillers taugt nicht zu Experimenten von Angepassten und Mitschwimmern im Mainstream.

  4. Elisabeth Putz

    Ich habe heute mit Begeisterung Ihren Artikel übers Gendern gelesen und stimme Ihnen vollkommen zu.
    Gestern wurde ich im Rahmen 80-plus geimpft. Beim auszufüllenden Anmeldeformular musste man auch das Geschlecht ankreuzen. Dafür gab es 6 (in Worten sechs) Möglichkeiten. Da tun sich ja sprachlich künftig Welten auf! Bis ein Abgeordneter oder eine ähnlich wichtige Person alle Anwesenden genderkonform begrüßt hat, ist vermutlich die Redezeit schon vorbei. Was oft auch kein Fehler wäre. Ich bin neugierig, was der Duden dazu sagt.

  5. Ruth Plaikner

    Guten Morgen Herr Schöpf,
    Ihre Meinung deckt sich zu 100% mit meiner. Diese Verstümmelung unserer Sprache tut mir bis in die Seele weh. Außerdem finde ich, dass die gesprochene Gendersprache das Mitdenken aller gar nicht zulässt! Gerechtigkeit kann nur an Taten und nicht an Worten gemessen werden. Bleibt zu hoffen, dass dieser Unsinn nie Einzug in die Literatur hält. Ich würde Bücher dieser Art nie kaufen.

  6. Othmar Kofler

    Guten Tag Herr Schöpf,
    ihre Kolumne in der Samstag TT ist für mich seit vielen Jahren der interessanteste Beitrag. Sie sprechen mir zumeist aus der Seele.
    Weil ich nicht weiß, wen ich sonst fragen könnte, wende ich mich an sie.
    Was ist in der stärksten Pandemie der Beitrag unseres Gesundheitslandesrates?
    Es ist für mich unerklärlich, dass der zuständigste Mann im Land nirgends zu sehen und zu hören ist.
    Wie sehen sie das?

  7. Werner Gattringer

    Sehr geehrter Herr Schöpf !
    Meine Gratulation zu Ihrem „Apropos“ vom 13.3.in der T.T.!
    Auch ich ärgere mich schon seit längerer Zeit über diese vom Genderwahn motivierte Sprachverhunzung und habe deshalb bereits vor zwei Monaten eine diesbezügliche Beschwerde-Mail an den ORF gerichtet; vor allem bezüglich Herrn Tarek Leitner, der sich besonders in diesem „Neusprech“ hervortut.
    Wie nicht anders zu erwarten, bestand die Antwort des ORF nur aus nichtssagenden Floskeln.

  8. Ernst Maier

    Sehr geehrter Herr Schöpf
    Mit Ihrem Leitartikel „Folgenlos glänzen“ sprechen Sie offenbar vielen aus der Seele.
    In Anbetracht des kürzlich begangenen „Tages der Frauen“ wurde zurecht viel über mangelnde Anerkennung der für Familie und Gesellschaft geleisteten Frauenarbeit berichtet. Neben der Beseitigung von Unterschieden in der Entlohnung sind entsprechende entgeltliche und pensionsrechtliche Anerkennung für Kindererziehung und Haushalt dringend umzusetzende Herausforderungen für die Gesellschaft.
    Umso mehr verwundert, dass in der täglichen Wahrnehmung offenbar gendergerechtem Schreiben und Sprechen allerhöchste Priorität zuteil wird.
    Schwer vorstellbar, dass „gegenderte“, die deutsche Sprache oft bis ins Unleserliche verbiegende Texte eine dringend anstehende Gleichstellung der Frauen wirklich voranbringen können.

  9. Wolfgang Kerber

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    ich bin ja teilweise bei Ihnen – was die Sprechweise der Fernsehmoderatoren betrifft, was die leichte Lesbarkeit im Journalismus betrifft, was gesetzliche Besserstellungen für Frauen anbelangt. Ich bin teilweise auch nicht bei Ihnen – schließlich schafft auch Sprache Aufmerksamkeit und Bewusstsein. Ein Argument für gender-gerechte Sprache.
    Ich finde es aber amüsant, dass Sie von Lesefluss schreiben und „Malträtierung der deutschen Sprache“. Und davor steht ein Satz, der über zwölf Zeilen geht und vier Einschübe beinhaltet! Und da wollen Sie eine gender-gerechte Sprache als „blanke Katastrophe“ kritisieren?
    Zum einen: In Zeiten wie unseren ist eine „blanke Katastrophe“ schon etwas anderes. Zum anderen: So könnte der Satz auch geschrieben sein – sofern mir diese Aussage als Leser überhaupt zusteht:
    Die Chefredakteurin des Österreichischen Wörterbuchs, Christine Pabst, hält die durch die besondere politische Korrektheit des Duden angeheizte Debatte über die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sprache für eine Feigenblattdiskussion. Das zeigt erfreulich: Noch so große Anbiederungen an das weibliche Geschlecht haben die Vernunftfähigkeit vieler Frauen nicht ausgehebelt (Sofern mir diese Aussage als Mann überhaupt zusteht).
    Das ist zwar immer noch nicht optimal und könnte auch noch zur Frage führen, ob das Beispiel wirklich ausreicht für diese Analyse. Als Leser mehrerer Bücher von Wolf Schneider kann ich nur seinen – hier auch umgesetzten – Rat empfehlen: Es gibt mehr Gliederungszeichen als das Komma.

    PS: Zur Erinnerung Ihr Original: Dass Christine Pabst, die Chefredakteurin des Österreichischen Wörterbuchs, die durch die besondere politische Korrektheit des Duden angeheizte Debatte über die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sprache für eine Feigenblattdiskussion hält, zeigt erfreulich, dass noch so große Anbiederungen an das weibliche Geschlecht die Vernunftfähigkeit vieler Frauen, sofern mir diese Aussage als Mann überhaupt zusteht, nicht ausgehebelt haben.

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