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Wir vermissen euch sehr!

Unlängst erkundigte ich mich bei einem meiner Freunde, ob er nicht Lust habe, rodeln zu gehen. Er antwortete mir mit einem gewissen deprimierten Unterton in der Stimme, dass er nicht die Absicht habe, die Kultur des Rodelns endgültig zugrunde gehen zu lassen, indem er auf den unbedingt dazugehörigen Gasthaus- bzw. Almhüttenbesuch verzichte. Dem ist nichts hinzuzufügen. Unter der Voraussetzung natürlich, dass das nun Folgende Jammern auf höchstem Niveau ist.

Denn wir vermissen euch, ihr Wirtinnen und Wirte! Euch meist freundlichen und charmanten Kellnerinnen und Kellner! Euch fleißige und manchmal sogar geniale Köchinnen und Köche! Euch Stuben und Caféhäuser, Restaurants- und Nachtlokale! Euch manchmal zu lauten, sehr oft aber auch hochinteressanten und originellen Gasthausschwestern und Gasthausbrüder! Ihr geht uns massiv ab!

Die Welt zwischen dem Privaten und der Anonymität der Stadt ist jene Halböffentlichkeit, in der eine Ansammlung von Individuen erst zur Gesellschaft wird, die, sofern sie funktioniert, durch Begegnung, Gespräch, vielsagendes Schweigen oder Liebesgeständnisse Freude an sich selbst entwickelt. Dass dies in unseren Breiten nicht wie im alten Rom auf sonnigen Plätzen, sondern im Gasthaus passiert, ist eine Folge des Klimas. Dass wir schon so lange auf dieses Gasthaus verzichten müssen, ist eine Folge der Pandemie. Möge der Spuk bald ein Ende haben!

Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Peter Walch

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Zu Ihrer Kolumne mit dem Titel, „Wir vermissen euch sehr!“ kann ich Ihnen nur zustimmen. Ich habe einmal vor geraumer Zeit gelesen, dass es in Tirol nur zwei Gemeinden (wird sicher überholt sein) ohne Wirtshaus gibt. Eine davon war Faggen, und mittlerweile ist es wieder so. Aber um auf den Punkt zu kommen. Es fehlt wahrlich das Zusammentreffen, der Austausch beim Frühschoppen – wie auch immer. Es gibt ja das Sprichwort: „Durch das Reden kommen die Leute zusammen.“ Und wo? Nicht nur, aber vor allem im Gasthaus, im Cafe etc… Es kommt ja noch mehr dazu in Zeiten wie diesen, wo alles gesperrt ist. Hochzeiten z.B. kann man verschieben, aber nicht ein Totenmahl – um nur ein tragisches Beispiel zu nennen – wo oft Familien von weit her, selten gesehen, zusammenkommen. Beim Totenmahl fällt dann fürs Erste ein wenig Trauer ab. Aber in Zeiten wie diesen kann – darf auch das nicht sein. Mir kommt das Aussetzen der Gasthauskultur so vor wie ein Symbol für die ganze Corona- Pandemie, wie die Masken, wo man kein Lachen im Menschengesicht mehr erkennen kann. Beides schafft eine unnatürliche Distanz. Widernatürlich es zu verlangen, wo Menschen zusammenkommen können, widernatürlich das Antlitz eines Menschen zu verhüllen. Was „Gutes“ kann dies Pandemie nicht in sich haben, aber wenn man etwas mitnehmen wollte, wenn – Sie sagen es Herr Schöpf – Zitat: „Möge der Spuk bald ein Ende haben!“, so dies: Mehr Dankbarkeit für die Freundschaft, das Zusammensein in unbeschwerter Runde, ja, auch mehr Zufriedenheit, denn vieles was uns der Fortschritt gebracht hat, ist nur unnötiger Luxus!

  2. Brigitte Geiger

    Grüß Gott Herr Schöpf,
    die Wertschätzung für die Menschen in der Gastronomie in ihrer heutigen Kolumne freut mich sehr. Meine eigene Familie und die Familie meines Mannes haben in mehreren Generationen Traditionsgasthäuser betrieben. Auch ich war bis zu meiner kürzlichen Pensionierung Gastronomin. In Zeiten meiner Großeltern war der Wirt in der Gemeinde noch sehr angesehen. In letzter Zeit war davon oft nichts mehr zu spüren. Die Existenz vieler Dorfgasthäuser wurde in den letzten Jahren systematisch zerstört. Ursachen für dieses Gasthaussterben gab es viele, vom veränderten Konsumverhalten über genehmigten Ausschank in Vereinshäusern bis zur akkuraten Einforderung von Dienstleistung, ohne diese entsprechend zu schätzen und ohne ein Mindestmaß an Höflichkeit für die Dienstleister und so weiter.
    Das macht halt keinen Spass an dieser oft schweren Arbeit mit viel persönlichem Aufwand und erklärt auch die Schwierigkeit. gute Gastronomen für diese Arbeit zu begeistern. Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele auch auf das Wiederaufsperren freuen und das Angebot auch entsprechend nützen.
    Vielleicht hätte diese schlimme Krise dann auch ein klein wenig Gutes bewirkt. Schönen Sonntag mit freundlichen Grüßen aus dem Oberland

  3. Sonja Ultsch

    Lieber Alois ,
    Herzlichen Dank für deine netten Worte heute .
    Ab und zu kommt mir vor, dass uns niemand vermisst.
    Heute hat dein Statement soooooo gut getan . Danke 🙏 danke 🙏
    Wir hoffen so sehr, dass wir so bald wie möglich unsere Gäste verwöhnen dürfen .
    Liebe Grüsse undnicht vergessen : Leben Lieben und Lachen!

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