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Nicht Inhalt, Show zählt!

Politik und Medien sind kommunizierende Gefäße. Politiker werden nicht mehr nach den Inhalten ihrer Rede beurteilt, sondern nach der Qualität ihrer Show. Dementsprechend liefern sie bald nur noch Show. Mühsame Debatten über Probleme und ihre Lösungen weichen den Parametern der richtigen Frisur, des passenden Anzugs und eines ansprechenden semierotischen Lächelns.

Simone Stribl, die den Charme einer Vorzugsschülerin versprühte, versuchte denn auch gar nicht vergangenen Montag im Sommergespräch mit Grünenchef Werner Kogler, den Redefluss des Politprofis durch inhaltliche Präzisierungen zu stoppen. Mit Verweis auf das vor ihr liegende Drehbuch zwickte sie ihn einfach ab, wenn sie fand, dass es reichte. Wie auch ihre Kollegen in der nachträglichen ZIB 2 nicht beurteilten, was gesagt, sondern lediglich, wie es gesagt wurde.

Eine Demokratie lebt vom Austausch von Argumenten. Wenn die öffentliche Debatte sich auf den Zwang zur Selbstdarstellung reduziert und das Marketing sowohl auf Seite der Politiker als auch auf Seite unserer Staatsjournalisten und Hofsoziologen die biedere Suche nach Wahrheit ersetzt, sollte sich niemand wundern, wenn die Gesellschaft weiter auseinander driftet. Im Gegensatz zu einem ehrlichen Gespräch nämlich, das die Menschen in Sympathie zusammenführt, verfeindet Marketing sie durch den Zwang zu flacher Übertreibung, kalkulierter Lüge und mieser Anbiederung.

Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Heinz Rohrmoser

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    sie werden immer besser !
    Genau so spielt sich Politik mit ihrem ganzen „Drum Herum“ derzeit ab.
    Ich kann ihnen zu ihrem Beitrag nur gratulieren !
    Mit freundlichen Grüßen
    Heinz Rohrmoser

  2. Peter Schallhart

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Nicht immer bin ich mit allem, was Sie schreiben, einverstanden. Das mag auch daran liegen, dass mir manches Wissen oder Erfahrungen fehlen.
    Dem obzitierten Artikel stimme ich in vollem Umfang zu. Dem an Politik interessierten Bürger können solche „Sommergespräche“ keinerlei Erkenntnisgewinn bringen. Im Gegenteil: Man fühlt sich gepflanzt.
    Danke für Ihre klare Analyse!
    Schallhart Peter

  3. Berhard Theurl

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Ich muss Ihnen wieder mal ein Kompliment aussprechen.
    Ihr Kommentar trifft’s nämlich punktgenau.
    Endlich jemand, der den sehr traurigen Zustand bei den Öffentlich-Rechtlichen schonungslos aufzeigt und „reichweitenstark“ Tacheles redet.
    Übrigens: Auch den Kommentar Ihrer Kollegin, Frau Heubacher, in der heutigen TT, finde ich analytisch sehr fundiert und mutig! In einer Tiroler Zeitung derart kritisch zu kommentieren, verlangt Respekt.

  4. Manfred Heisler

    Das „Apropos“ von Alois Schöpf trifft wieder einmal den Nagel auf den Kopf. Die optischen Auftritte gewisser, gestylter Politiker/innen erinnern mich an den seinerzeit so beliebten Quelle-Katalog. Und die meisten Medienvertreter sowie Analysten spielen, mit nur wenigen Ausnahmen ( z. Bsp. Armin Wolf ), bei diesen üblen Show-Event’s mit. Die Gespräche erschöpfen sich in phrasenhaften, auswendig gelernten Texten, nichtssagenden Inhalten und am Ende bleibt nur wenig oder nichts Brauchbares übrig, weil halt, wie das Beispiel der Sommergespräche zeigt, auch seitens der Moderatorin ein präziser Hintergrund, Basiswissen und fundierte Diskussionsqualität einfach fehlen.

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