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Die Gefährder wegsperren?

Die Todesstrafe ist nicht abzulehnen, weil es niemanden gibt, der sie verdienen würde. Sie ist abzulehnen, weil sie überall, wo sie dem Staat erlaubt ist, auch missbraucht wird und Unschuldige trifft. Der Bürger ist also gut beraten, sich den Luxus zu leisten, gewisse Personen lebenslänglich einzusperren statt umzubringen, um sich selbst zu schützen.

Ganz ähnlich verhält es sich bei dem von unserer Regierung in populistischem Überschwang verkündeten Vorschlag, islamistische Gefährder auf immer aus dem Verkehr zu ziehen und dem Maßnahmenvollzug zu übergeben. Auch hier ist nicht daran zu zweifeln, dass es Personen gibt, die aufgrund ihrer gewalttätigen und menschenverachtenden Ideologie keine andere Behandlung verdienen würden. Gleichzeitig jedoch sollten wir uns darüber im Klaren sein, was es bedeutet, wenn es dem Staat erlaubt wird, Leute aufgrund dessen, was sie denken, einzusperren.

Wir leben in einer Zeit der geradezu hysterischen ideologischen Auseinandersetzung, die, abgesehen vom Islamismus, vom richtigen Essen über #metoo und den Klimawandel bis hin zu Fragen der Migration reicht. Die Versuchung wäre zu groß, sich zur Durchsetzung der je eigenen Sicht das Gewaltmonopol des Staates zu sichern und Andersdenkende als Gefährder wie in der ehemaligen Sowjetunion hinter Gitter zu bringen. Gefängnis für Weltanschauungen ist ein Rückfall ins Mittelalter und keine Lösung!

Alois Schöpf

Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Peter Winkler

    Sehr geehrter Hr. Schöpf,
    ich lese gerne Ihre Kolumnen, auch wenn ich nicht immer ganz Ihrer Meinung bin.
    Ihr Artikel vom Samstag veranlasst mich allerdings doch auch einen Kommentar abzugeben.
    „…. Islamische Gefährder aus dem Verkehr zu ziehen …. ihre gewalttätigen und menschenverachtenden Ideologien …. keine andere Behandlung verdienen würden“
    Wieso im Konjunktiv? Soll man abwarten, ob sie auch tatsächlich gewalttätig werden? Oder haben Sie die Beispiele dazu bei uns, in Deutschland, in Frankreich schon vergessen?
    Gleichzeitig sollten wir uns darüber im Klaren sein …..der Staat würde Leute wegsperren auf Grund dessen, was sie denken.
    Na an was denken denn diese Gefährder und IS Anhänger ??
    Den Brückenschlag von dieser Thematik zu „gutem Essen, MeToo, Klimawandel usw.“ versteh ich nicht ganz. Wer will sich dafür ein Gewaltmonopol unseres Staates sichern ??
    Bedenklich und erschreckend finde ich allerdings, dass Ihr Artikel unterschwellig wiedergibt, wahrscheinlich ungewollt, dass Gefährder und Terroristen auch nur Andersdenkende sind …..
    Nix für ungut und schönen Gruß aus Telfs.

  2. Peter Schallhart

    Sehr geehrter Herr Schöpf !
    Alles,was Sie im oa Artikel schreiben,scheint mir sehr richtig zu sein.
    Dennoch könnte man darüber nachdenken,worin sich ein islamistisch indoktrinierter Terrorist, dem es normal und erstrebenswert erscheint, „Ungläubigen“ wie zB.Mohammedkarikaturisten die Kehle durchzuschneiden oder sich mittels Sprengstoff selbst ins Paradies mit Dutzenden Jungfrauen zu bomben, von sogenannten geistig abnormen Rechtsbrechern unterscheidet? Ist diese (psychische?) Störung in der Geisteshaltung wirklich schützenswert und anders zu beurteilen durch Hinweis auf Gedankenfreiheit und Weltanschauung bzw. kann man das Gedankengut solcher Terroristen wirklich noch als Weltanschauung bezeichnen?
    Diese Frage kann ich mangels philosophischer und juristischer Ausbildung nicht klären.

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