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Reinhard Walcher
Apokalypsen sind beliebt.
Essay

Prophezeiungen (Weissagungen) sind meist religiös motivierte, von gottberufenen Propheten verkündete Aussagen über zukünftige, immer katastrophale Ereignisse oder schlicht den Weltuntergang: die Apokalypse. Für Christen ist mit dem Untergang das Jüngste Gericht verknüpft, das die Gläubigen in den Himmel und die Sünder und Ungläubigen in die Hölle oder vorübergehend ins Fegefeuer schicken wird. Derartige Prophezeiungen geistern seit jeher durch alle Kulturen und Religionen.

Apokalypsen (Enthüllungen) sind Geschichten aus der religiösen Literatur, die das Ende der Welt und das Kommen des Reichs Gottes verkünden.

Prognosen (Vorhersagen) stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, heutzutage meist Computermodelle, Trends und Annahmen. Mit rechnerischen Methoden wird versucht, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens zukünftiger Ereignisse darzustellen. Das (rational-wissenschaftlich) Vorhergesagte wird sich also mehr oder weniger wahrscheinlich oder auch gar nicht ereignen.

Keine Zweifel mehr
In den heutigen Tagen der „Pandemie, die keine ist“ (schoepfblog vom 9. 9. 2020), der „Erderwärmung“ sowie der „politischen Korrektheit“ ist eine Mischform aus Prophezeiung, Apokalypse und Prognose entstanden. „Virale“ PanikmacherInnen, die „gläubigen“ VerfechterInnen der klimabedingten Apokalypse und “KämpferInnen“ für „politische Korrektheit“ sehen ihre Stunde gekommen und agieren mit geradezu religiösem Eifer. Sie wollen bestimmte Wörter und Bezeichnungen, kontroversielle Aussagen und Zweifel verbieten (lassen). Erleben wir gerade den Beginn einer Diktatur? Laut Duden „die unumschränkte, andere gesellschaftliche Kräfte … unterdrückende Ausübung der Herrschaft durch … eine bestimmte gesellschaftliche Gruppierung“. Der Schritt in eine neue Gottesstaatlichkeit wäre jedenfalls unter gewissen Voraussetzungen nur noch ein kleiner. Gruselig wird’s schon jetzt, den Worten unseres Bundeskanzlers zu lauschen, der bedauert, alles verbieten zu müssen, was Freude bereitete, oder einem Kardinal, der meinte, Gott habe diese C-Krise geschickt, um uns zum Nachdenken einzuladen.

Das Jüngste Gericht
Es ist kaum zu glauben, wie oft die Welt beziehungsweise unsere Erde laut Ankündigung unzähliger Seherinnen und Propheten schon untergegangen sein müsste. Was immer das heißt. Explodiert sie, geht sie unter und wenn, wohin? Wird die Menschheit ausgelöscht, vergiftet, ertränkt oder geht das ganze Universum hops oder nur unsere Erde? Belassen wir es bei der Apokalypse als Ende der Welt in welcher Form auch immer.

Wie genau es passieren wird, vermitteln uns die unzähligen Darstellungen des Jüngsten Gerichts an den Wänden von Kirchen und Totenkapellen. Ich empfehle die Pfarrkirche in Sterzing oder die Totenkapelle neben der Pfarrkirche in Innsbruck/Amras. Die erste Apokalypse verkündete Jesus selbst für die Tage nach seiner Auferstehung im Jahr 33. Seine Anhänger erwarteten das Ende daraufhin stündlich, dann täglich, später wöchentlich. Als die Römer im Jahr 70 unter Titus die Kirchen und Tempel in Jerusalem zerstört hatten, war für Juden und Christen damit der Jüngste Tag angebrochen. Die Welt aber drehte sich weiter, nur wusste das damals noch niemand. Im Folgenden eine kleine Auswahl von …

Prophezeiungen und Prognosen, die nie eintraten.
Nach dem Heiligen und Gegenpapst Hippolytus sollte im Jahr 500 alles vorbei sein. Zahlreiche christliche Propheten verlegten – weil die Erdscheibe und die Menschen noch immer existierten – die Apokalypse ins Jahr 800. Dann sagte der Mönch Abbo von Fleury das Ende für das Jahr 979 voraus. Endgültig die Nase voll von den falschen Ansagen hatte später Papst Sylvester II. und konkretisierte die Apokalypse auf den 31. Dezember 999 um 24 Uhr. Unter den Christen in seiner Umgebung brach eine Massenhysterie inklusive Plünderungen aus, während die Mehrheit der Menschen am Lande vom Untergang nichts mitbekam. Wie auch? Ohne Facebook, TV und andere Kommunikationsmittel! Der Papst hatte die Offenbarung des Johannes im letzten Buch des neuen Testaments (Offb 1 ff) auf seine Weise interpretiert, wonach mit dem Jahr 1000 endgültig Schluss sein sollte.

Aber es geschah wieder nichts!

Der Mönch Radolf Glaber aus dem Burgund vertröstete die Gläubigen auf 1033. Auf ein paar Jährchen käme es jetzt auch nicht mehr an, meinte er. Nach all den Fehlschlägen der religiösen Untergangsprophezeiungen traten endlich entschlossene Astronomen auf und verkündeten die Apokalypse für 1169 aufgrund einer seltenen Planetenkonstellation. Aber wieder nix. Der Astronom Johannes von Toledo legte sich dann auf 1186 fest. Der Abt Joachim von Fiore erklärte das Jahr 1260 zum Ende der Scheibe.

Langsam baute sich in Folge unter den Gläubigen ein mächtiger Frust wegen des ausbleibenden Endes auf. Hundertfünfzig Jahre hörte man nichts Neues vom Weltuntergang. Dann rafften sich in Böhmen die Taboriten auf und erwarteten, dass Jesus im Jahr 1420 zurück auf die Erde kommen und den Untergang persönlich in die Wege leiten würde. In Florenz erschien der Bußprediger und Mönch Girolamo Savonarola und fixierte den nächsten Untergang auf das Jahr 1500. Weil aber die Renaissance bereits begonnen hatte und rational denkende Wissenschaftler und Bankiers ein Wörtchen mitzureden hatten, verbrannte man Girolamo und verschob den Weltuntergang ein weiteres Mal.

Nichtsdestotrotz bemüßigte wieder einmal eine spezielle Planetenkonstellation englische Astronomen, die Apokalypse mit Datum 1. Februar 1524 anzukündigen. Damals flüchteten 20 000 Londoner hinaus aus der Stadt in die umliegenden Hügel, bis ihnen zu kalt wurde. Martin Luther indes beschwor den Untergang zuerst für das Jahr 1532, dann für 1538 und schließlich für 1541. Dann gab er auf. Trotzdem beten die Lutherischen noch heute für ihn, zurecht.

Die sogenannten Fünf Monarchen nahmen sich als Endjahr 1650 zur Brust, obskure Zahlenmystiker schossen sich auf 1666 ein. Manche wissen vielleicht, dass 666 die Zahl des Satans ist. Pierre d’Ailly wurde dann vorsichtiger und wählte einen größeren Zeitraum fürs Untergehen zwischen 1692 und 1789. Suzette Labrousse (endlich mal eine Frau), eine selbsternannte katholische Prophetin, wollte inklusive der ganzen Welt im Jahre 1800 das Zeitliche segnen. 1814 glaubte die 64-jährige Joanna Southcott schwanger zu sein. Und zwar mit dem Messias persönlich, bei dessen Geburt dann die Welt ihr Ende erfahren würde. Das Baby kam aber nicht und das Ende der Welt somit auch nicht.

Mehrere Theologen wählten den 21. März 1843, 24.00 Uhr. Danach versprach William Miller den 21. März 1844 und gründete sogleich die Religion der Adventisten. Der Gründer der Neuapostolischen Kirche, Reverend Irving, wollte mitsamt seiner Gemeinde und der ganzen Welt, die inzwischen zur Kugel geworden war, 1864 untergehen.

Und dann kam Taze Russell und begründete die Zeugen Jehovas, die seither auf ihr Armageddon, die endgültige Schlacht zwischen Gut und Böse, warten. Termine des Armageddons waren der 1. Oktober 1914, dann 1918 und 1925. Frustriert vom Ausbleiben der Vernichtung alles Bösen durch Jesus verlegte man die Schlacht ins Jahr 1975. Seither sind selbst die Zeugen vorsichtiger mit ihren Prognosen geworden. Die Wahrsagerin Old Mother Shipton sollte man hier gar nicht erwähnen, obwohl das von ihr verkündete Ende der Welt 1881 die Leute massenhaft in Angst und Schrecken versetzte.

1891 fand Joseph „Joe“ Smith jr. zwei goldene Platten, auf die das Buch Mormon in einer außerirdischen Schrift geprägt war, die nur er selbst lesen konnte. Er wurde zum Gründervater der Mormonen und kündigte gleich die Apokalypse in 56 Jahren, also für 1947 an. Ein Pfarrer namens Michael Baxter sorgte für Angst vor der Vernichtung im Jahr 1901. Dann, es war schon das Jahr 1910, sollte laut wissenschaftlicher Mehrheitsmeinung der Halley’sche Komet das irdische Leben am 10. Mai vernichten. Zumindest verursachte der Komet ein massenhaftes Erscheinen von Alkoholleichen am 11. Mai 1910. Und für heuer, also das Jahr 2020, ist von der bulgarischen Seherin Baba Wanga das Ende unserer Zivilisation angesagt. Womit sie mit dem Club of Rome konform geht, der die digitale und zivilisatorische Implosion für die Jahre von 2020 bis 2040 kundtat. (Quellen: Bibel, Wikipedia, Duden, timeand-date.de u.a.).

Nur Kollateralschäden?
Wohl nicht (mehr) erwähnenswert sind das Ausbleiben des Waldsterbens und des Endes von Erdöl und Kohle, die unnötige Hysterie um die Schädlichkeit der Handy-Strahlen und der frühen Fernsehapparate sowie der atomaren Vernichtung. Zur Jahrtausendwende 99/00 sind die Computer keineswegs abgestürzt und der Maya-Kalender endete zwar tatsächlich im Jahre 2012, nicht aber die Welt, auf der die Scientologen vergeblich auf ihr Raumschiff warten. Und New York ist ebenso wenig im Pferdemist erstickt, wie um 1900 alle dachten. Sogar die Asteroiden halten sich glücklicherweise seit 60 Millionen Jahren an die Abstandsregel.
Was tatsächlich immer eingetreten ist, wenn irgendeine Katastrophe angekündigt wurde, sind die Kollateralschäden durch die in Panik geratenen Menschen selbst.

Demnächst: Klimawandel, ade?

Reinhard Walcher, Dipl.-Ing.,Architekt, Zeichner, Blogger, Leserbriefschreiber

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Als Handys neu waren, gab es unverzüglich Proteste besorgter Bürger*innen gegen den Elektrosmog. Im Wipptal trafen sich einige hundert, vermutlich mit dem Handy in der Tasche, um gegen einen neuen Sendemast zu protestieren. Der Ö3-Sendemast in Sichtweite, mit der hundertfachen Sendeleistung, störte keinen.
    Prognosen? Die sind eben schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.
    Die persönliche Prognose für meine finanzielle Zukunft ist aber bestens. Ich habe eine Methode abgekupfert, um Atomstromfilter zu recyceln. Damit lade ich Akkus, die ich Berhardinern umhänge. Die laufen dann entlang der Autobahn und versorgen liegengebliebene E-Autofahrer*innen.

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