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Nachtrag zu „Literarische Korrespondenz, Sehr geehrter Herr Mitterer…“ vom 22. Juli 2020 „Tiroler Tageszeitung, Apropos, In Palfraders Feenreich“ vom 20. Juli 2020

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Unverfrorenheit unser Volksdichter Felix Mitterer Dinge behauptet, die dann angeblich doch nicht stimmen bzw. mit welcher Ungeniertheit er von Journalisten recherchierte Fakten als Erfindung oder Übertreibung abqualifiziert. Erstaunlich ist aber auch, mit welcher Adoration ihn dabei manche meiner Kollegen aus den Kulturredaktionen begleiten. Jeden anderen würden sie nämlich in der Luft zerreißen, wenn er über die APA oder den ORF verlauten ließe, dass er für die Zillertaler Theaterinitiative „Steudltenn“ die Theaterversion seiner Fortsetzung der Piefke-Saga verfassen werde, und dann behauptet, wie er es im Interview vom 26. Juli in der Tiroler Tageszeitung getan hat: Nö, stimmt überhaupt nicht! Er werde für „Steudltenn“ nie und nimmer eine solche Theaterversion und erst für 2022 ein eigenes Stück verfassen! Und natürlich stimmt es auch nicht, wie aus demselben Interview hervorgeht, dass er, wie es seit Wochen in den Medien brav kolportiert wird, für die Schnapsidee verantwortlich sei, vor dem Hintergrund der katastrophalen Infektionskette in Ischgl einen neuen Teil seiner Piefke Saga zu schreiben. Nein! Die Idee stamme von Kathrin Zechner, der Programmdirektorin des ORF! Sie sei, wie er es selbstüberhöhend und ganz Künstler formuliert: „auf ihn zugekommen“! Auch dieser plötzliche Schwenk wurde übrigens kommentarlos zu den Akten gelegt. Beschämend!

Denn ob nun die Geschmacklosigkeit, sich über ein Unglück, wie es in Ischgl geschah und das nicht nur einen enormen wirtschaftlichen Schaden, sondern auch Krankheit und Tod zur Folge hatte, in einer satirischen Reihe lustig zu machen, vom Dichter selbst oder von seinem Auftraggeber stammt, ist völlig unerheblich. Sollte tatsächlich Kathrin Zechner die Urheberin der Idee gewesen sein, hätte Mitterer es von allem Anfang an sagen können, und vor allem, er hätte die Idee zurückweisen müssen. Da er beides nicht getan hat, ist sein Dementi umso beschämender. Hinzu kommt, was ohnehin schon länger in den Tratschblasen der Szene bekannt ist: Mitterer hat offenbar für eine geplante, aber nie abgelieferte sogenannte „Russen-Saga“ Drehbuchhonorare kassiert, die je nach Auskunftsperson zwischen einer Million und zwei Millionen Schilling, noch Währung zur Zeit des Vertragsabschlusses, variieren. Wie auch immer man den Betrag, den er dem ORF seither schuldig ist, auch ansetzt: Er dürfte jedenfalls als Schuldenrückzahlung für die kolportierte Fortsetzung der Piefke-Saga einzustufen sein. Ohne Rücksicht darauf, welches Buch und welche Idee Mitterer liefert, die Programmdirektion des ORF, der das Hemd bekanntlich näher ist als die Masse der Gebührenzahler, wäre damit von der Peinlichkeit befreit, entweder gegen einen ihrer liebsten Hofdichter Klage zu führen oder einen hohen Betrag zum Schaden für den eigenen privilegierten Posten abschreiben zu müssen.

Im selben Interview behauptet Mitterer übrigens auch, dass die auch von mir kolportierten Beträge, die er seit letztem Jahr aus seinen Aktivitäten bei den Volkschauspielen in Telfs lukrierte, „Fabelsummen“ seien. Er erhalte als Theaterautor 10 Prozent der Ticketerlöse. Leider scheint er schon bei einfachen Additionen überfordert zu sein. Wenn man nämlich die Ticketerlöse und die Abgeltung für das für 2020 vorgesehene Stück „Feuernacht“ aufsummiert und das von ihm wohlweislich verschwiegene Honorar für die Adaption des Drehbuchs „Verkaufte Heimat“ für das Theater dazu zählt, ergibt sich ziemlich genau die vor mir in meiner Kolumne in der Tiroler Tageszeitung genannte Fabelsumme. Wobei es mir an dieser Stelle geboten erscheint, auf eine unverfrorene Täter-Opfer-Umkehrung hinzuweisen, wenn einem Journalisten nach mühsamen Recherchen zwangsweise nur ein Annäherungswert gelingt, weil von öffentlichen Geldern hervorragend lebende sogenannte Künstler und Kunstverwalter alles tun, um ihre finanziellen Unverschämtheiten vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Weshalb ist es nicht schon längst eine Selbstverständlichkeit, wie es übrigens von vielen anderen, weniger von der Obrigkeit gehätschelten Kulturinitiativen abverlangt wird, dass Budgets und Honorare überall dort, wo öffentliches Geld im Spiel ist, vollkommen transparent dargestellt werden müssen? Dann könnte eine zur Bewunderung angeblich engagierter Dichter bereite Öffentlichkeit und politische Adabei-Prominenz einmal mit Staunen zur Kenntnis nehmen, dass bei den längst im Provinzialismus versumpften Tiroler Volksschauspielen fallweise für Regisseure 40.000 € oder für Bühnenbildner 34.000 € bezahlt wurden. Die Tatsache, dass am wesentlich hochkarätiger und professioneller agierenden Tiroler Landestheater für ähnliche Leistungen maximal die Hälfte, wenn nicht nur ein Drittel der Beträge veranschlagt werden, müsste doch auch all jene, die zur erweiterten Seilschaft der Volksschauspiele und ihres großen Hauptdichters gehören, endlich zu ein wenig kritischer Selbstreflexion zwingen.

Bleibt zuletzt die Ankündigung Mitterers, Anfang August eine Wohnung in Schwaz zu beziehen, über deren Mietpreis sich unter dem Vorwand des Datenschutzes ein für Österreich typisches diskretes Schweigen gebreitet hat. Da jedoch auch in diesem Fall Steuergelder im Spiel sind, zumindest jene der Bürgerinnen und Bürger von Schwaz, seien von dieser Stelle aus zwei Fragen an den Bürgermeister der Silberstadt gerichtet.

1. Stimmt es, Herr Bürgermeister, dass unser Volksdichter Mitterer über die freundschaftlichen Bemühungen eines Redakteurs der Tiroler Kronenzeitung (kritischer Journalismus?) eine 240 m2 große Wohnung für 1 € Miete und 450 € Betriebskosten beziehen wird?
2. Stimmt es somit, dass Sie, umgerechnet auf den Marktwert einer solchen Wohnung, dem Dichter pro Jahr ca. 20.000 € indirekte Subventionen seitens der Stadt Schwaz zukommen lassen?

Selbstverständlich werde ich ihre Antwort gerne im schoepfblog veröffentlichen.



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