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Elias Schneitter
Die Heiligen Drei Könige

In einem Leserbrief der TT bezieht sich die Autorin auf einen Kommentar in der Rubrik „Brief an Tirol“ von Martin Kolozs, der – als ehemaliger Ministrant – auf den überzogenen Rassismus-Vorwurf wegen des „Mohr“ eingeht. Dieser darf inzwischen ja nicht mehr „geschwärzt“ werden und wird nun durch einen „Weißen“ ersetzt.

Die Leserbriefschreiberin brachte in ihrem Beitrag übrigens einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein. Warum drei Könige?, fragte sie. Warum ist nicht eine Königin dabei? Keine Frau! Das sei diskriminierend und frauenfeindlich.

Richtig, kann ich da nur beipflichten. Aber ich frage mich weiter, warum nur eine einzige Frau? Wenn schon, dann bitte völlige Gleichheit. Also eineinhalb Frauen und eineinhalb Männer, oder eine Frau, ein Mann, ein Transgender, oder man stockt die Heiligen Drei Könige auf vier Heilige Drei Könige auf, um den Ausgleich zu schaffen.

Seit meinen Kindheitstagen bin ich Fußballfan und durch den Leserbrief bin ich auf eine weitere Gender-Ungerechtigkeit gestoßen. Fußball war ursprünglich ein reiner Männersport. Schrecklich! Inzwischen gibt es Gott sei Dank auch Frauenfußball.

Aber warum bitte – die Leserbriefschreiberin hat mir die Augen geöffnet – spielen diese Teams immer noch getrennt? Das ist nämlich sowohl männer- als auch frauenfeindlich. Also bitte, lieber Fußballverband, neue Regeln, um diesen Missstand abzudrehen. Man müsste die eine Hälfte der Mannschaften mit Männern und die andere Hälfte mit Frauen besetzen. Das würde Gleichheit schaffen. Um das auch konsequent zu verwirklichen, könnte man die bisherige Spieleranzahl von 11 Personen auf 10 reduzieren oder auf 12 aufstocken.

Danke, liebe Leserbriefschreiberin, Sie haben vollkommen recht: überall wohin man blickt: Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Rassismus, Frauenfeindlichkeit etc. etc.


Elias Schneitter

Elias Schneitter, geb. 1953, lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Fußball ist auch bei Regen schön“ (Edition BAES), der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Wie geht’s“ in der Stadtlichter Presse, Hamburg. Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), wo ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) in Hall.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Josef Soder

    Wölfe müssen artgerecht gehalten werden, also sollten sie auch hetzen und reißen dürfen. Daher schlage ich vor, ihnen regelmäßig an eigenen Futterstellen im Wald und auch im Zoo lebende Schafe zum Fraß gönnen. Schulklassen könnten so über Naturkreisläufe lernen. Die Kosten kämen über TV-Übertragungsrechte leicht herein. Wer jedoch Wölfe nicht mag und trotzdem verbannte Tiere lieb hat, könnte ja auch Mäusen und Ratten wieder eine Heimat bieten.

  2. Alois Schöpf

    Hallo Elias!
    Ich habe mich lebenslänglich nicht für Fußball interessiert, das könnte sich ändern, wenn deine Vorschläge von den gegenderten Fußballmann/frauschaften Wirklichkeit würden. Ich hoffe, dass du dir im Klaren darüber bist, dass eine solche Reform die Ausbildung der Schiedsrichter bzw. der Schiedsrichterinnen auf den Kopf stellen würde. So würde es in Zukunft nicht nur mehr darum gehen, ein Foul von einem Nicht-Foul zu unterscheiden, sondern auch herauszufinden, inwieweit ein Foul mit einem sexuellen Übergriff verbunden ist, oder es sich ausschließlich um einen sexuellen Übergriff handelt oder im schlimmsten Fall um eine Kombination aus beidem. Dementsprechend müsste auch die Einrichtung der roten Karte durch eine rosa und eine hellblaue Karte bzw. durch eine, wenn alle Delikte zusammenkämen, durch eine rot, rosa und hellblau gestreifte Karte ersetzt werden. Weiters würde sich das Problem ergeben, dass schiedsrichterliche Beurteilungen in Zukunft, wenn sie Übergriffe eines Mannes auf eine Frau, die von einem Mann beurteilt würden, bzw. einer Frau auf einen Mann beträfen, die von einer Frau beurteilt würden, unter dem Verdacht der Parteilichkeit stünden, eine Konstellation, die nur dann befriedigend gelöst werden könnte, wenn das Amt des Schiedsrichters bei gegenderten Fußballmann/frauschaften in Zukunft grundsätzlich Transsexuellen übertragen würde, wobei sich natürlich auch hier die Frage ergibt, ob es sich im konkreten Fall um einen Mann handelt, der sich zu einer Frau umwandeln ließ, oder um eine Frau, die sich zu einem Mann umwandeln ließ.
    Dies alles sollte jedoch kein Hindernis sein, deiner großartigen Idee näher zu treten.

  3. Hans Pöham

    Ja meine Herrn! Herr Martin Kolozs projiziert im Brief an Tirol den Schein des harmlosen Treibens auf die Sternsinger. Das hat die gute Leserbriefschreiberin angeregt, dem traditionellen Treiben, dem allseits harmlos Daherkommenden etwas mehr Lichtschein zu gönnen. Es ist unnötig und billig. Denn: Das Überwiegende in unserer Welt muss harmlos daherkommen, muss langweiliges Treiben sein. Ich kann die Idee des Herrn Elias Schneitter und besonders den köstlichen reformatorischen Ergänzungen zum Fußball-Regelwerk durch Herrn Alois Schöpf, der den Sport, was er durch sein Wissen über farbige Kartons beweist, natürlich in- und auswendig kennt, im Prinzip nur zustimmen. Ja, bleiben wir dran an dieser großartigen Idee. Wünschen wir uns gemischte Frau-Mannschaften. Wie immer bei Paradigmenwechseln muss die Frage gestellt werden: Könnte etwas Nicht-Harmloses daraus entstehen?

    Man muss beim Beseitigen von Ungleichheit aufpassen. Man muss alle Szenarien, die sich daraus ergeben könnten, mitdenken. Könnten die Fans an den reizvollen Facetten, die im Hetero-Fußball liegen, gar vielleicht Gefallen finden? Könnte das Hopfengetränk genauso gut – vielleicht besser – zu den Zweier-Ketten, die sich aus den Fünfer-Ketten bilden werden, schmecken? Wäre der häusliche Friede zusätzlich bedroht, weil sich Männer nicht mehr für den gottbegnadeten Messi, sondern für die gottgegebenen Kurven vor den Bildschirm begeben, weil sich die Ehefrau zum Fußballtraining anmelden will? Wären die Sponsoren gefordert, breitere Slogans für das Mehr an Brustfläche schaffen zu müssen? Wird bald über das Zögern des Schiedsrichters beim Pfiff heftiger protestiert, weil die Sympathiewerte des Lieblingsvereins mit den rotrosahellblaugestreiften Karten in der Statistik steigt? Könnte der Fan damit beginnen, wieder mehr „Schiebung, Schiebung!“ zu rufen? Weil er das Tunneln durch Gegnerbeine nicht mehr sehen will, weil er begierig auf Unterbrechungen mit Umarmungen, mit Verbrüderundschwesterungen steht? Weil ihm nun Tore des Monats unwichtig sind. Würde er dann mehr nach Zeitlupen von sich in HD auflösenden, liebevollen Menschenverwicklungen verlangen? Wäre das Am-Leibchen-Ziehen nun eine neue Sprache, die sagt „He! Du gefällst mir!“ oder “He, du! Lass die plumpen Versuche, das ist meiner!“ Könnte man die Hochspannung im Spiel durch eine andere Regelauslegung aufrecht erhalten, indem man destruktive Spielverderber und Ballverschlepper straft, nach – sagen wir zwei Verwarnungen als Single ins Tor-Gehäuse verbannt, wo sie gemeinsam mit denen, die ihre Gegnerfreunde beim Absprung zum Kopfball nicht und nicht fest halten wollen, Klimmzüge an der Latte machen müssen? Könnte man sich die Tor-Menschen überhaupt sparen, weil der Ball nur noch Namensgeber, sonst bedeutungslos geworden ist und wäre der Begriff „Fankurve“ unscharf und müsste neu definiert werden? Müssten die Pay-TV-Sportkanäle wegen unlauterer Seher-Abwerbung durch falsch verstandene Integration zu klagen beginnen? Fragen über Fragen.
    Schlimmer noch. Wäre womöglich die Champions-League in Gefahr, diese, trotz der langweiligen Unterhaltung, notwendige Integrationsmaschine – wohltätig-harmloses Treiben – für den von Ausgrenzung bedrohten, maximal pigmentierten Taler, dem kein Kontostand gegeben werden will, den man nicht mehr in die Spielertaschen spülen kann?
    Eines scheint mir gewiss zu sein. Die Spieler dieser gemischten Mannschaften könnten nicht dem Mammon und Gott, der nur die Liebe sein kann, zugleich dienen. Sie werden ihre Rollen aufgeben und sich für Gott entscheiden. Sie werden spüren, dass man für Beziehung und ohne sinnlosen Luxus leben kann. Sie werden von der Fehleinschätzung ihres Leistungsvermögens befreit in die Spieler-Lounge wechseln und auf den Mammon pfeifen, ihre Verträge verlieren. Wie lange die Manager dann die Lücken auf den Ersatzbänken mit genügend Nachschub aus Kondition und ligatauglichem Liebreiz aufzufüllen imstande sind, muss mit Sorge gesehen werden. Der globale Spielermarkt könnte durch die neue Sinnfrage des Lebens zusammenbrechen. Es wäre das Ende des Fußballs. Eine neue, eine ökonomische Pandemie, eine gefährliche Störung des globalen Gleichgewichts. Also meine Herrn, dieser Traum – den Sie im Auge haben, der Ungerechtigkeiten ausgleichen soll – in Ehren. Er wäre ja auch meiner. Aber die Welt muss es vermutlich noch weiter so harmlos treiben wie bisher.

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