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Das Böse im Guten
Zu einem Facebook-Eintrag des Tiroler Caritasdirektors

Was veranlasst einen verdienstvollen und klugen Menschenfreund wie Georg Schärmer, seit 1998 Direktor der Caritas Tirol und damit mittelbar auch verantwortlich für die Hospizbewegung in Tirol, den Wunsch von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von wenigen mutigen Politikern nach liberalen Sterbehilfegesetzen in folgender Weise zu denunzieren?

Facebook-Eintrag Georg Schärmer:

„Dornauer für professionelle Sterbehilfe.
Herr Dornauer!
    Sie mögen zwar über eine gewisse Erfahrung in der „Sterbehilfe“, bzw. Vertreibung des Sympathisantenkreises ihrer politischen Bewegung aufweisen (ich spreche aus persönlicher Erfahrung)… in sozialmedizinischen Fragen spreche ich Ihnen vorweg eine Kompetenz ab.
    Ich habe mir persönlich und vorort ein Bild von der Schweizer „Endlösung“, insbesondere was den assistierenden Suicid betrifft, gemacht und war froh, dass es diesen „Dammbruch“ in Österreich nicht gibt. Sie sprechen von professioneller Sterbehilfe… diese gibt es in unserem Land nicht zuletzt durch die großartige Arbeit der Tiroler Hospizbewegung, deren Vorstand ich sein darf. „An einer Hand sterben… nicht durch eine Hand“ ist eines der Leitmotive, neben sehr guter Palliativversorgung und einfühlsamer Begleitung der Betroffenen und deren Angehörigen. Professionelle Sterbehilfe, wie Sie sie vermutlich verstehen, würde einen enormen Druck auf Ärzte, Pflegerinnen ausüben, die einem anderen Ethos verpflichtet sind. Nicht zuletzt die Schwerstkranken würden in Folge einen hohen Druck erfahren, sich früher aus dem Staub zu machen. Bitte keine weiteren populistischen Leuchtraketen. Ihr Verschmutzungsgrad ist nicht gerade klein.“


Es ist schon beeindruckend, wie gewissen- und geschichtslos Funktionäre der katholischen Kirche, deren verbrecherische Geschichte ein Karl-Heinz Deschner in geradezu ermüdender Ausführlichkeit dokumentiert hat, sich beim Terrorregime der Nationalsozialisten Begriffe entlehnen, um damit menschenfreundliche Initiativen, denen ein schmerzfreies und selbstbestimmtes Lebensende ein Anliegen ist, abzuqualifizieren. Dass er im oben zitierten Fall etwas zu weit gegangen sein dürfte, begriff Georg Schärmer nach Abklingen seiner ersten Wut wohl selbst, indem er den Begriff „Endlösung“ mit Bedauern zurücknahm und aus seinem Facebook-Eintrag löschte. Dies ändert jedoch nichts daran, dass alle seine Kolleginnen und Kollegen, denen eine Liberalisierung der Sterbehilfe ein Dorn im Auge ist, dafür mit dem Begriff „Euthanasie“ zumindest ebenso schnell bei der Hand sind. Denn „Euthanasie“ erspart mühsames Argumentieren, indem Bemühungen um eine humanere Gesetzgebung und die Aufhebung des §77 „Tötung auf Verlangen“ und des §78, „Mitwirkung am Selbstmord“ in die Nähe des eugenischen Mordprogramms geistig Behinderter durch die Nationalsozialisten gerückt werden.
Natürlich dürfen auch bei Schärmer Schauergeschichten nicht fehlen. In diesem Fall aus der ansonsten immer wieder als Vorbild hingestellten Schweiz. Dabei wird durch die Verwendung des Begriffs „Dammbruch“ die Sterbehilfeorganisation „DIGNITAS-menschenwürdig leben-menschenwürdig  sterben“, deren Aktivität vor allem auf Suizidversuchsprävention ausgerichtet ist, sogar für die Zunahme von Suiziden verantwortlich gemacht. Das souveräne Handeln autonomer Bürger, das naturgemäß statistisch mit steigenden sogenannten „Selbstmordraten“ einhergeht, wird somit, obgleich Ausdruck bürgerlicher Freiheit, ungeniert als Desaster fehlender psychischer und physischer Unterstützung Schwerstkranker umgedeutet. Dasselbe souveräne Handeln wird in gleicher Weise missachtet, indem die Hospizbewegung als einzige, als Monopol vom Staat geschützte Lösung für ein gutes und schmerzfreies Lebensende definiert wird. Die Entscheidung, auf das zweifelsfrei verdienstvolle Service dieser Organisation erst gar nicht zurückgreifen zu wollen, aus welchen Gründen auch immer, wird als legitime Möglichkeit des Handelns nicht einmal wahrgenommen.

Als Lösung des Problems qualvollen Sterbens, für dessen liberale Behandlung längst eine Mehrheit der Bevölkerung eintritt, flüchtet Schärmer sich dafür in den nichtssagenden Marketingspruch, wonach „Menschen an der Hand und nicht durch die Hand anderer“ sterben sollten. Leider wird auch dieser schöne Satz, wie es im Marketing üblich ist, der Wirklichkeit nicht gerecht. So müssen etwa bei DIGNITAS Sterbewillige das Sterbemittel Natrium-Pentobarbital sehr wohl selbst einnehmen. Sie sterben also nicht durch die Hand eines anderen. Nicht fehlen dürfen in Schärmers sogenannter Argumentation auch jene Angstszenarien, wonach eine Liberalisierung der Sterbehilfe in Österreich dazu führen würde, dass Alte und Kranke genötigt würden, sich umbringen zu lassen, um ihren Angehörigen Pflegeaufwand und Kosten zu ersparen. Hier bleibt zum einen nur noch die ganz private Frage: In welchen Verhältnissen und unter welch edlen Menschen, Herr Schärmer, leben Sie eigentlich? Und es bleibt der Hinweis darauf, dass aus Rechtsstaaten wie den Niederlanden oder Belgien keineswegs solche, im Übrigen strafrechtlich relevante Überredungsversuche bekannt geworden wären, wie sich ja überhaupt die meisten Schauergeschichten aus diesen Ländern bei genauerer Recherche als vollkommen übertrieben oder schlicht als Falschmeldungen herausstellen.

Es ist also schon ziemlich unverfroren, wenn Georg Schärmer am Ende seiner im Internet abrufbaren offiziellen Selbstpräsentation von sich behauptet, seine Auftraggeber seien die Armen, Vergessenen, Ausgegrenzten und Perspektivelosen. Und dann noch als letzten Satz hinzufügt: Er hoffe, ein Menschenliebhaber zu bleiben. Letzteres ist freilich angesichts von Stellungnahmen wie der oben zitierten ein vergebliches Begehren. Denn wie sollte er bleiben, was er nie war? Zumindest dann nicht, wenn es um die Ideologie des Vereins geht, dessen angestellter Manager er ist.

Totalitäre Bewegungen, sei es das jenseitige Paradies monotheistischer Gottheiten oder das diesseitige Paradies der klassenlosen Gesellschaft, lassen im Zweifelsfall Menschenleben äußerst großzügig über die Klinge springen und riskieren lieber Leid und Erniedrigung als die Reinheit der Lehre, wenn es um die Frage geht, was vor dem Hintergrund ihres Weltbildes ethisch richtig oder falsch ist. Ihren priesterlichen Vertretern ist die ideologische Idylle, als deren gott- oder revolutionsnahe Hüter sie sich empfinden, wichtiger als jede Humanität und Empathie. Dies gilt in besonderem Ausmaß für die katholische Kirche, deren lange Geschichte vom Blutfluss all jener gesäumt ist, die nicht in den strengen Rahmen einer bis heute klar formulierten und für das gemeine Volk in einem Katechismus festgeschriebenen Lehre passten und passen.

Gehorsam erzwingende Brutalität den Schwachen gegenüber war über die Jahrhunderte jedoch nur möglich, wenn man sich zugleich den Starken gegenüber als flexibel erwies und rechtzeitig die Fahne nach dem Wind des Zeitgeists ausrichtete. So mussten in Folge der amerikanischen und französischen Revolution, weltweiter Demokratisierung, Individualisierung und Emanzipationsbewegungen und aufgrund epochaler wissenschaftlicher und technologischer Fortschritte immer mehr von der christlichen Dogmatik ins Weltliche deduzierte Positionen geräumt werden. Um diesen Verlust an Macht zumindest politisch zu verzögern, wurde versucht, mit den Staaten sogenannte Konkordate zu vereinbaren, deren österreichische Variante aus der Zeit des Klerikal-Faschismus stammt und als Verfassungsgesetz der Kirche Rechte und Privilegien einräumt, die in keinem Verhältnis zu jenem Bevölkerungsanteil stehen, der heute noch als christgläubig zu bezeichnen ist. Es wurde aber auch versucht, mit den Wissenschaften Frieden zu schließen. Zum einen durch eine Theologie der Verwässerung, die, auf den akademischen Bereich begrenzt, die christliche Heilsbotschaft in eine abgehobene Metapher ohne konkreten Wahrheitsanspruch verwandelte. Zum anderen durch den pragmatischen Deal des gewieften Politikers Johannes Paul II, als Gegenleistung für eine offizielle Entschuldigung bei Galileo Galilei im Jahre 1992, also 360 Jahre nach dessen Verurteilung, auch noch am Ende des 20. Jahrhunderts den Glauben als einen neben den wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen legitimen Zugang zur Wahrheit anerkannt oder zumindest toleriert zu bekommen.

All diese Bemühungen zielen zuletzt darauf ab, durch Kindestaufe, Präsenz in den Kindergärten und Schulen, im Jahreskreis der Feste und vor allem im Rahmen karitativer Einrichtungen weiterhin ungestört und machtvoll einer breiten Öffentlichkeit gegenüber den Gesinnungsterror einer überholten, krankhaften Moral aufrecht erhalten zu können. Konkret beziehen sich diese das Leben bis in die Gegenwart herauf verdüsternden Lehren auf die Deklassierung der Frauen, die Verteufelung der sexuellen Lüste, hier vor allem auf die Ablehnung der Homosexualität, der Abtreibung, des außerehelichen Geschlechtsverkehrs, aber auch immer noch der urologisch durchaus gesundheitsfördernden Onanie, alles Lebensbereiche, deren Verhaltensnormen längst von einem aufgeklärten Humanismus dominiert werden.

Umso erbitterter fällt im Rückzugsgefecht der Unbelehrbaren der Widerstand aus, wenn es um den Tod, die Angst vor dem Tod und um Siechtum und Leiden vor dem Tod und zum Tode hin geht. Von derlei Problemen wollen nämlich weder der Staat, noch die auf Heilung fixierten Ärzte wirklich etwas wissen. Daher sind sie denn auch dankbar, wenn die Kirche, eine Caritas und die ihr untergeordnete Hospizbewegung sich darum kümmern. Dies gilt selbstverständlich auch für den gierig seine Lebensgenüsse zusammenraffenden durchschnittlichen Zeitgenossen. Auch er will nichts davon wissen, was passiert, wenn er stirbt und bevor er stirbt. Auch er ist äußerst erbaut darüber, wenn ihm jemand sein Denken, seine Philosophie zum eigenen Ende hin abnimmt. Von dieser doppelten Denkverweigerung, mit einem der entscheidenden Probleme des Lebens umzugehen, profitieren daher die Priester und ihre Angestellten ein letztes Mal wie in keinem anderen Bereich. Hier ist es noch einmal möglich, die reine Lehre, wonach der Mensch mit seiner angeblich unsterblichen Seele lediglich der Verwalter des Lebens und Gott sein Eigentümer sei, auf breiter Basis durchzusetzen und ein letztes Feld der Macht und ein letztes, großartiges Geschäft abzusichern. Daher gilt es auch, unter allen Umständen zu verhindern, dass dem Bürger die Möglichkeit eingeräumt wird, die Art und den Zeitpunkt seines Todes selbst zu bestimmen, diese letzte Freiheit, die nicht nur vom Europäischen Gerichtshof, sondern inzwischen auch vom Deutschen Verfassungsgericht zu den unveräußerlichen Menschenrechten gezählt wird.

Dass die erwünschten oder unerwünschten Nebenwirkungen solcher Interessenslagen aus Menschenfreunden Unmenschen machen, ist zutiefst bedauerlich, wenngleich aus der langen Geschichte des Opportunismus bestens bekannt.


 

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

  1. Lieber Alois, das ist ein hervorragender, mutiger Kommentar, provoziert durch einen Einzelnen, allerding offensichtlichen Protoyp der Vielfalt von Rückständigkeit des Systems Katholische Kirche. GRATULATION.

  2. Bernd Stracke

    Ein großer Dank an den Blogger Alois Schöpf für diesen wichtigen Diskussionsbeitrag, weil er ein notwendiges Gegengewicht zur gefühlsduseligen, unzulässigerweise den Humanitätsgedanken einseitig für sich reklamierenden Position (nicht nur) der Caritas darstellt.

    Ich habe darüber hinaus den Eindruck, dass insgesamt die Weltbilder der Herren Schärmer und Landau, aber auch Schönborn, Glettler und Konsorten einiges an Stimmigkeit vermissen lassen. Ob z. B. den vielen kleinen Caritas-Spendern, aber auch der Gesamtheit der österreichischen Bürger, die die Caritas unfreiwillig mit Steuergeldern verwöhnen, bewusst ist, welches kommerzielles Räderwerk sie seit Jahr und Tag finanzieren? Dazu eine kleine Auswahl der seit Jahren erscheinenden entgeltlichen und unentgeltlichen Caritas-Einschaltungen am Beispiel der Tiroler Tageszeitung:

    „Warmherzigkeit und Mitgefühl zeigen“ (halbseitiges TT-Inserat, 2018)
    „Ein Land pflegt Zusammenhalt – Bitte um Spenden“ (ganzseitiges TT-Inserat, 2019)
    „Deine Spende ist meine Zukunft“ (Faschingssonntags-TT-Inserat, 2020)
    „Die Corona-Krise hat uns fest im Griff – Tirol ist hilfreich“ (ganzseitiges TT-Inserat, 2020)
    „Aufeinander schauen in schwierigen Zeiten“ (großflächiges TT-Personenkult-Inserat mit unübersehbaren Schmeichelfotos von Georg Schärmer und Günther-Platter, 2020)

    Kein Wunder, dass sich die nicht nur mit immer üppiger ausfallender Regierungswerbung, sondern auch zunehmend mit Caritas-Inseraten verwöhnte Tiroler Tageszeitung mit zahllosen, als redaktionelle Beiträge getarnten Werbeunterstützungen „revanchiert“. TT-Herausgeber Hermann Petz lässt dazu eine ganze Armee von Journalisten ausrücken. Auch hier eine kleine Auswahl:

    4. Juli 2020: „Durststiller im Auftrag der Nächstenliebe“. Caritas-Leibschreiber Nikolaus Paumgartten klopft bei den TT-Lesern um Caritas-Spenden an: „Bei der Sommersammlung der Caritas Tirol geht es heuer wieder darum, Menschen in Burkina Faso und Mali das Überleben und ein besseres Leben zu sichern.“ Die Caritas-Kontonummer wird natürlich gleich mitgeliefert.

    2. Juli 2020: „Innovativ, engagiert und beherzt“. Vorlass-Loblied des TT-Redakteurs Peter Nindler auf die designierte Schärmer-Nachfolgerin Elisabeth Rathgeb im nächsten Jahr.

    30. Juni 2020: „Caritas-Direktor Georg Schärmer will verpflichtende Gemeinwohlarbeit“. TT-Redakteur Manfred Mitterwachauer rührt in einem ausführlichen Schärmer-Interview ungeniert die NGO-Werbetrommel: „Die Caritas ist eine der größten Katastrophenhilfsorganisationen der Welt. Neben dem Roten Kreuz.“ Willig druckt er auch die Forderung (!) an die Politik ab, dass „der Sozialbereich bei Land und Bund mit mehr Nachdruck auf eine stabile Finanzierung drängen“ müsse.

    27. Juni 2020: „Ein Haarschnitt für das Selbstvertrauen“, TT-Schreiberin Denise Daum berichtet über ein von der Caritas der Diözese Innsbruck unterstütztes Projekt, von dem sich Caritasdirektor Schärmer „angetan“ zeigt: „Innsbruck ist ein gutes Pflaster für soziales Engagement. Die älteste Caritas in Österreich wurde in Innsbruck gegründet – nicht von oben, sondern von engagierten Bürgerinnen und Bürgern.“

    23. Juni 2020: Findet sich mal kein Caritas-Schreiber in der Redaktionsstube, kann man bequem auf die APA zurückgreifen und stellt dann einfach das Kürzel „TT“ dazu, um zusätzliche Eigenrecherche zu suggerieren: „Erstmals leitet eine Frau das Generalsekretariat der Caritas. Anna Parr beerbt in diesem Amt Bernd Wachter, der Ende September auf eigenen Wunsch die kirchliche Hilfsorganisation verlässt. Wachter folgte damals Stefan Wallner, dem heutigen Kabinettschef von Grünen-Vizekanzler Werner Kogler, nach.“

    28. Mai 2020: „Innsbrucks Bischof Hermann Glettler und Caritas-Direktor Georg Schärmer treten für umfassenden Solidaritätspakt ein“, erörtert umfassend TT-Redakteur Marco Witting und transportiert gleich auch bereitwillig Schärmers erneute Forderung nach einem eigenen Ministerium für die Pflege: „Wir müssen auch bei der Arbeit und Beschäftigung neue Wege gehen. Es braucht dringend Projekte zur Beschäftigung von arbeitslosen Jugendlichen.“

    20. Mai 2020: „Michael Landau ist nun auch Präsident von Caritas Europa. Er wurde gestern bei der Regionalkonferenz zum Präsidenten der Caritas Europa gewählt“, übernimmt ein diensthabender TT-Redakteur von der APA. Gerade die aktuelle Krise mache deutlich, wie wichtig es sei, das Gemeinsame innerhalb Europas zu suchen, aufzubauen und zu verstärken.

    23. April 2020: TT-Redakteurin Anita Heubacher teilt im Titel ihres Beitrages die Pandemie-Sorgen von Caritas-Direktor Schärmer („Caritas fürchtet um Spenden“), beruhigt aber gleich darauf im nachfolgenden Text: „Trotz Corona-Krise kann die Caritas laut Direktor Georg Schärmer zwei Drittel ihrer 30 Einrichtungen in Tirol in Vollbetrieb halten.“ Die Caritas habe aber neue Zielgruppen dazubekommen. Menschen würden um ihre Existenz fürchten. „Hilfsprojekte in Afrika seien von der Spendenfreudigkeit der Tiroler abhängig. Tiroler Helfer erhielten Sondererlaubnis in Afrika.“

    12. April 2020: In einem Endlos-Interview quetscht der Wiener TT-Leitartikler Serdar Sahin Schärmers „Kollegen“ Michael Landau bis zur allerletzten Caritas-Corona-Petitesse aus: „Bei der Corona-Hotline der Caritas rufen nicht wenige Menschen an, weil sie jemanden zum Reden suchen. Wir haben deshalb mit dem Plaudernetz eine neue Initiative gestartet, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.“

    19. März 2020 Wieder Nikolaus Paumgartten. Diesmal hebt er die Flexibilität der – übrigens demokratisch in keiner Weise legitimierten – NGO in Corona-Zeiten hervor: „An die neuen Rahmenbedingungen angepasst hat man sich auch bei den Einrichtungen der Caritas. Die Katharina-Stube und die Wolfgangstube geben zwar weiterhin Essen aus, die Mahlzeiten dürfen aber nicht mehr in den Räumlichkeiten eingenommen, sondern müssen mitgenommen werden. Die Mentlvilla hat ihren Notschlafstellen-Betrieb auf 24 Stunden umgestellt. Die Beratungsangebote der Caritas bleiben telefonisch und digital aufrecht.“

    schoepfblog-Leser interessieren möglicherweise auch „Die Geschäfte der Caritas“ http://www.genius.co.at/index.php?id=693 sowie „Die Caritas und die Flüchtlingsindustrie http://www.genius.co.at/index.php?id=706

    1. Lieber Bernd Stracke!
      Meine Sympathie für Herrn Dornauer ist endenwollend. Ihr Beitrag erspart mir einen weiteren Kommentar, es ist ihm aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen. Seit Jahren schon spende ich nicht mehr für die Caritas, gerne aber z.B. für die Tiroler Hospizbewegung. Alois Schöpf sei Dank für seinen Blog!
      Herzlichst Siegfried Dillersberger

  3. Doris Linser

    Vielen Dank Hr. Schöpf für Ihren Kommentar zu den Äußerungen des Tiroler Caritas-Dir. Hr. Schärmer zum Thema Sterbehilfe.
    Das ist ein gutes bzw. trauriges Beispiel von Personen, die glauben, dass nur sie recht haben und niemand anderer,
    Personen einer Richtung, die unfähig sind zu aktzeptieren, dass andere Menschen andere Meinungen haben,
    Personen, die anderen Menschen die Entscheidung über sich selbst absprechen wollen und sich als Maß aller Dinge aufspielen.
    Eine solche Überheblichkeit sagt alles und immer wieder bin ich froh, dass ich mich von „diesem Verein“, ich meine die kath. Kirche, schon seit Jahren verabschiedet habe.

    Noch etwas zum Thema Tiroler Hospiz, dessen Jahresbericht 2019 ich gerade erhalten, aber erst die vorderen Seiten gelesen habe.
    S. 4: „2019 wurden 309 Patient*innen auf der Hospiz- und Palliativstation aufgenommen. 86 konnten wieder entlassen werden. Das sind 28%“
    Es handelt sich bei den 86 Menschen, deren Aufenthalt dort beendet werden mußte, sicher um keine Wunderheilungen, sie hatten vielleicht eine „gute Zeit“ im Hospiz und es wäre interessant, wieviele davon dann bis zu ihrem Tod in Pflegeheime überführt werden mussten oder, wenn noch Angehörige vorhanden, vielleicht zu Hause weiterbetreut wurden. – Es liegt schon Jahre zurück, mein Bürokollege Hr. Mag. XY wurde wieder nachhause geschickt, er wollte in kein Pflegeheim, diese Zeit für ihn war aber ganz schrecklich.
    S.6: „2019 betreute das Mobile Palliativteam 606 Patient*innen. Insgesamt machte das Team 2.701 Patient*innenbesuche.“
    Auch das Sterben zu Hause zieht sich oft lange hin, Angehörige brauchen Hilfe und Unterstützung …diese Unterstützung, um die sie sicher froh waren, betrug in diesen Wochen/Monaten des Sterbens durchschnittl. 4,5 Besuche dieses Teams pro Person.

    Das Hospiz ist eine wichtige, und für Menschen die das beanspruchen wollen ( u. dort einen Platz bekommen), gute Einrichtung.
    Dass die ambulante Versorgung mit ehrenamtlichen 38.872 Stunden auf den Schultern von überwiegend Frauen lastet, die vielleicht auch oft froh wären auch nur ein kleines Entgelt zu bekommen (?), wird auf S.10 des Berichts erwähnt. Nicht erwähnt wird, dass man die Ausbildung zu diesem Ehrenamt auch noch selbst bezahlen muss.

    Grundlegend ist aber, dass jeder Mensch das Recht haben muss über sein Leben und auch Lebensende selbst zu bestimmen und zu entscheiden.

  4. Andreas Braun

    Lieber Alois!
    Ich weiß nicht, ob Herr Schärmer Dein exzellent differenzierendes Buch “ Kultiviert sterben“ oder das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 20. Jänner 2011, in welchem dieser das Recht auf Beendigung des eigenen Lebens als Menschenrecht anerkannte, gelesen hat. Im Falle der Lektüre dieser beiden – exemplarisch aus einer reichhaltigen Literatur zitierten – Argumentationen versündigt sich Herr Schärmer eklatant gegen den Geist intellektueller Redlichkeit, wenn er den Herrn Dornauer in empörend polemischer Weise apodiktisch abkanzelt.
    Im Falle von gänzlicher Ignoranz hinsichtlich der existenziellen Dimension des Themas „Freitod“ entpuppt sich Herr Schärmer als dumpfer Adept eines brandgefährlichen Staatskirchentums, das mittels eines paradiesischen Transzendentalversprechens das denkfaule und feige Volk weiterhin in moralische Geiselhaft nimmt. In Abwandlung des Lao Tse zugeschriebenen Auspruchs „Hüte dich vor den Tugendhaften“ könnte einem das Diktum „Hüte dich vor den selbsternannten Menschenfreunden“ in den Sinn kommen.
    Mit besten Grüßen
    Andreas

  5. Erich Hörtnagl

    Lieber Alois,
    habe nun Deinen letzten Blog betreffend Sterbehilfe gelesen und kann mit Reinhard Schwabenitzky nur im Chor singen: Äusserst gut geschrieben und hochaktuell: Nämlich mit diesen Gutmenschen aufzuräumen, die sich immer hinter den Kulissen einer ”anundfürsichvielleichtgutgemeinten Glaubensgemeinschaft” verstecken und die davon ausgehen, anderen ihre Haltung aufzwingen zu dürfen.
    Gratulation also auch meinerseits.
    Liebe Grüße
    Erich

  6. maike szenessy

    Unglaublich, wie im 21. Jahrhundert noch immer die katholische Ideologie als DIE Wahrheit in die Welt gepostet wird.

  7. Oskar Degen

    Zum Thema selbst habe ich den bisherigen guten und richtigen 5 Kommentaren lediglich eine Bemerkung hinzuzufügen: „sich früher aus dem Staub zu machen“ – diese Formulierung ist mir besonders übel aufgestoßen als außerordentlich unpassend und flapsig. Bedeutet sie doch, dass dem Sterbewilligen unterstellt wird, er wolle sich aus einer kriminellen oder zumindest unredlichen Motivation heraus einer verpflichtenden Verantwortung entziehen.
    Ansonsten habe ich mir den Text als hervorragende Analyse von Selbstbild und Wirken der katholischen Kirche abgespeichert. Lediglich mit der Wertung zum Thema Galilei bin ich nicht einverstanden. Die Umdeutung der Verurteilung Galileis als „Missverständnis“ ist von einer „Entschuldigung“ doch weit entfernt.

  8. Eva Nagelmüller

    Leider scheint Herr Schärmer keine Ahnung davon zu haben, wie schrecklich Menschen „verrecken“ können, weil ihnen durch die Ärzte nicht mehr geholfen werden kann. Man soll ja niemandem etwas Schlechtes wünschen, aber solchen Personen wünsche ich, dass sie ihre schlimmen Krankheiten voll auskosten müssen und am Ende sehen, wie furchtbar es sein kann, auf den Tod warten zu müssen, bis er als Erlösung endlich kommt. Ein Hospiz ist eine gute Einrichtung, aber leider gibt es eben Krankheiten, bei denen die Menschen endlich erlöst werden möchten und das auch eigenverantwortlich tragen müssen. Eine andere Person hat darüber nicht zu richten!!!

  9. ao.Univ. Prof. Dr. med. Kurt Grünewald

    Die Debatte zum Thema Sterbehilfe ist in Österreich schwer zu führen.
    Immer wieder wird die Euthanasie des Dritten Reiches ins „Spiel“ gebracht. Diese brutalen Akte der Grausamkeit wurden aber gegen den Willen der Betroffenen und deren Angehörige gesetzt. Bei der Sterbehilfe ist das nicht der Fall!

    Es stellt sich die Frage, ob der Staat über die Art unseres Sterbens via Gesetzen verfügen darf. Die Autonomie der Betroffenen wird hier gröblichst verletzt. Ja, es gibt das Recht auf Leben. Dass daraus aber die Pflicht zu leben werden soll, macht Sorge.
    Es wird auch argumentiert, dass das Leben ein Geschenk ist. Ein Geschenk wird aber dann zum Eigentum der beschenkten Person, über das sie autonom verfügen kann. Der Wunsch nach Beendigung des Lebens betrifft nicht allein alte Menschen und Todkranke. Eine seit Jugend unfallbedingte hohe Querschnittslähmung erlaubt der betroffenen Person sich nicht einmal eine Fliege von der Nase zu jagen. Muss man diesen Menschen psychiatrieren, um seinen Wunsch nach einem Ende zu verstehen? Als ich das einmal in einer Diskussion erwähnte, lautete die Antwort: „Dann sind sie und die Gesellschaft verpflichtet, die Fliege auf der Nase zu vertreiben.“ Wie soll das gehen ?

    Dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen eines besonderen Schutzes bedürfen ist klar und darauf ist streng und differenziert zu achten. Das oft gehörte Argument, ein Großteil der Angehörigen sind (und man bedient sich nicht einmal des Konjunktives) nur auf ein rasches Erbe bedacht und würden nur darauf warten, selbst beim Sterben behilflich zu sein, trifft wohl kaum den Charakter der Österreicherinnen und Österreicher.
    Dieser Dialog ist zu führen und das auf Augenhöhe und ohne Furcht vor unsauberen Angriffen. Ich kann mich noch erinnern, dass vor einer Wahl eine Partei sich nicht erblödete, die Behauptung „Grünewald wünscht Todespritze in Altersheimen“ ins Netz zu stellen Es dauerte etwa 10 Tage, bis diese Lüge vom Netz verschwand
    ao.Univ. Prof. Dr. med. Kurt Grünewald

  10. Sylvia Butterfly

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Zu Ihrem Artikel möchte ich folgende persönliche Erfahrungen hinzufügen.
    Eine meiner kanadischen Bekannten flog zum Sterben in die Schweiz, weil unsere Gesetze trotz einer gewissen Liberalisierung seit 2016 sehr streng sind. So konnte sie die letzten Tage nicht im Kreise ihrer Lieben verbringen.
    Eine weitere Bekannte hat ihren letzten Willen hinterlassen, dass man sie im Falle einer tödlichen Erkrankung ohne großen Aufwand an maschineller (künstlicher) Hilfe sterben lassen sollte. Die Regierung und eine Charitative Organisation haben ein Veto eingelegt. Sie behaupten, dass die Frau nicht sterben will, weil sie den Mund öffnet, wenn man ihr das Essen auf einem Löffel reicht.
    Unser 87-jähriger Nachbar hatte Lungenkrebs und wollte sterben. Durfte aber nicht. So hat er alle Nahrung verweigert, bis er “natürlich” verhungert ist.
    Meine 89-jährige Mutter, welche im Dürerheim in Innsbruck angemeldet war, weil sie dort neun Freundinnen hatte, wurde, angeblich aus Bettenmangel, nach Hall transportiert, wo sie noch 18 Monate lebte. Sie konnte nicht mehr lesen oder fernsehen, war schwerhörig und, für ca. ein Jahr bettlägerig. Sie hat mir gesagt, dass sie sich umbringen würde, wenn sie könnte – anstatt so dahinzusiechen.
    Unser anderer Nachbar hat sich erschossen, weil er andauernd Schmerzen hatte. Der Arzt meinte, dass eine Behandlung mit Morphin oder anderen Schmerzmitteln den Mann süchtig machen könnte.
    Ein guter Freund von uns, früher ein strammer Bauer, litt an Lungenkrebs. Er hat sich auch erschossen, da er nicht dahinsiechen wollte . Die Familie musste sein Hirn anschließend von den Wänden putzen.
    Herzliche Grüße von Sylvia Butterfly, Kanada

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