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Alois Schöpf
Gemauschelt wird immer!
Eine Rechtfertigung

Auf meine Kolumne in der Tiroler Tageszeitung vom Samstag den 3. April erhielt ich zwar viel Zuspruch, jedoch ebenso massive Kritik, die sich vor allem darauf konzentrierte, dass ich die aus den veröffentlichten Chats der Herrn Kurz, Blümel und Schmid ablesbare angebliche Charakterlosigkeit, Verhaberung und gegenseitige Verliebtheit (Daniel Wisser) geringer einschätze als die angeblich im Verhältnis zu den aufgezeigten politischen Untiefen zu vernachlässigende Tatsache, dass hier via Amtsmissbrauch nicht für die Öffentlichkeit Bestimmtes dennoch an die Öffentlichkeit gelangt sei.

Da ich diese Kritik interessant finde und ihr eine gewisse Berechtigung nicht absprechen möchte, erlaube ich mir, im Folgenden einige Argumente vorzulegen, die aufzeigen sollen, weshalb ich die kriminelle Beschaffung und hehlerische Veröffentlichung einer privaten Kommunikation zwischen Politikern für ein größeres Delikt halte als der darin geäußerte, im Übrigen selbst nach Analyse des regierungskritischen „Standard“ strafrechtlich irrelevante Umgangston dreier von vielen Kritikern als Halbstarke Bezeichneter. Da ich für diese Argumentation mehr Platz benötige, als sie im Rahmen einer Kolumne zur Verfügung steht, veröffentliche ich meine Überlegungen an dieser Stelle.

Nicht nur ich, sondern die meisten an den innenpolitischen und medialen Entwicklungen unseres Landes interessierten Zeitgenossen kennen prominente Persönlichkeiten, die sogar öffentlich zugegeben haben, dass sie nicht qualifiziert genug waren, als sie ihren Job antraten. So kommentierte Gerd Bacher den Beginn seiner Karriere als legendärer und mehrfach bestellter Generalintendant des ORF mit der Bemerkung, er habe vom Fernsehen zu Beginn keine Ahnung gehabt. Trotzdem hat er, wie bekannt, Großartiges geleistet. Zu erinnern ist auch an den ehemaligen Juristen des Amtes der Tiroler Landesregierung Andreas Braun, der an die Spitze der Tirol Werbung berufen wurde und sich dort als hochgelobter, österreichweit geachteter Tourismusvordenker erwies. Zu erinnern ist ebenso an eine gewisse Brigitte Fassbaender, die international renommierte Sängerin, die weitab von jeglicher Erfahrung als Intendantin von Hilde Zach an das Tiroler Landestheater berufen wurde und dem Haus in Folge zu beachtlichem Renommee und endlich hochkompetenten Chefdirigenten verhalf. Zu nennen sind zuletzt auch zwei Herren, die ebenso wie Thomas Schmid aus der „richtigen“, in diesem Fall „roten“ Familie stammen: Gerhard Zeiler, der, nachdem er die SPÖ nicht übernehmen wollte, vom Pressesekretär eines Fred Sinowatz und Franz Vranitzky zum internationalen Medienmanager aufstieg. Oder ein Alexander Wrabetz, der als Bundesvorsitzender des stets stramm marxistischen VSSTÖ über die verstaatlichte Industrie als Generaldirektor im ORF landete und dort, bei ursprünglich mangelnder Qualifikation wie Zeiler, im Gegensatz zu diesem seit Jahren eine Ära des Niedergangs verwaltet.

Woraus zu ersehen ist, dass auch die Anzahl jener nicht gering ist, bei denen jahrelanges und hochbezahltes „learning by doing“ nichts nützt. Sie blieben und bleiben Versager! Leider gilt dies auch für viele, deren Qualifikation eigentlich ideal zu ihrer Aufgabe gepasst hätte und die dementsprechend mit großem medialem Lob in ihre jeweilige Institution einzogen. Es sei in diesem Zusammenhang, ohne Namen zu nennen, nur an gewisse Abteilungen unserer hochrühmlichen Universitätsklinik erinnert, wo die Vielgepriesenen nicht selten fachliche und/oder menschliche Katastrophen hinterließen. Nicht vergessen werden dürfen an dieser Stelle natürlich all jene, die bei bester Qualifikation sehr wohl ihre Leistung erbringen und erbrachten und damit die Hypothese unterstützen, wonach es im Rahmen von Postenbesetzungen tatsächlich eine gewisse von Verhaberung und Postenschacher geschützte Objektivität gäbe.

Dass diese Ansicht nur stark eingeschränkt gelten kann, ergibt sich bereits aus den angeführten Varianten. Sie entstammt im Übrigen dem antiautoritären Post-1968-Glauben, man könne durch angeblich unabhängige und anonyme Jurys das schmutzige Geschäft der Machtausübung durch Politik im Sinne gleichsam naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinns aus der Welt schaffen. Zumindest in der Kultur, wo ich mich auskenne und worüber ich ein eigenes, bei den Betroffenen ziemlich verhasstes Buch mit dem Titel „Wenn Dichter nehmen“ (Verlag Limbus) geschrieben habe, hat dieser naive Glaube zu extremer Freunderlwirtschaft, Verhaberung, Verantwortungslosigkeit und Korruption geführt. Jurys und Berufungskommissionen verschieben nämlich nur das Problem. Die Frage lautet in ihrem Fall nämlich nicht, wer für die Besetzung einer Spitzenposition, sondern wer vielmehr für die Besetzung von Jurys und Findungskommissionen zuständig ist. Ob es nun das Niveau der in einer Findungskommission agierenden Personen ist, die jemanden küren, oder die gekürte Person selbst: Überall spiegelt sich die Kompetenz, Bildung, Offenheit, Neugier, intellektuelle und menschliche Befähigung jenes Politikers und jener Politikerin wieder, der oder die zuletzt die Unterschrift unter die Berufung aus eigenem Willen oder als Ergebnis einer Kommission setzt.

Womit nun doch die wichtigste und ewig gültige Erkenntnis in diesem Zusammenhang in Erinnerung zu rufen ist: Noch so viele Expertengremien und Besetzungskommissionen ändern nichts am Grundsatz, dass nur erstklassige Politiker erstklassige Mitarbeiter berufen, wohingegen zweitklassige Politiker sich mit drittklassigem Führungspersonal umgeben. Zur Bestätigung dieser These muss der Zeitgenosse wahrlich nicht weit über die Grenzen unseres Landes hinaus schauen.

Vor diesem Hintergrund jedoch wird auch evident, weshalb ich mir erlaubte, die Kritik an den Chats, die zur Berufung von Thomas Schmid an die Spitze der ÖBAG führten, als planmäßige, wahrscheinlich abgesprochene und neidgetriebene Anpatzerei einer Regierung zu definieren, die den in Zeiten einer sozialistisch dominierten großen Koalition zu Bestverdienern aufgestiegenen vor allem hauptstädtischen Medienclaims nicht in den Kram passt. Dass sich dieses durch keinerlei moralische Bedenken gehemmte journalistische Netzwerk der Hehlerware gestohlener Daten bedient, um ihr Ziel zu erreichen, betrachte ich weiterhin als wesentlich verwerflicher als die zweifelsfrei pubertäre Tonart, mit der jemandem aus der schwarzen Familie zur Karriere verholfen werden sollte. Denn die entscheidende Voraussetzung der Empörung über die Chats zwischen Kurz, Blümel und Schmid kann nur sein, dass willentlich oder kraft mangelnder Fantasie ausgeblendet wird, welch mündlicher oder schriftlicher Gedankenaustausch („Was? Dieser Trottel?“ „Willst du dir eine Laus in den Pelz setzen?“) hierzulande bei sicherlich jeder Bestellung von Spitzenpositionen erfolgt und erfolgte, mit dem einen Unterschied allerdings, dass bei linkskompatiblen Ernennungen kein Aufzeichnungsgerät mitlief bzw. entsprechende schriftliche Äußerungen nicht an die Öffentlichkeit gelangten.

Entscheidend an der Bestellung von Thomas Schmid als ÖBAG-Chef ist die Frage, ob er sich an dieser Stelle bewährt, was zuallererst der Aufsichtsrat zu beurteilen hat. Sollte dem nicht so sein, ist er selbstverständlich umgehend abzuberufen. Die weitere entscheidende Frage ist, ob Bundeskanzler Kurz der entscheidenden Qualifikationen als Spitzenpolitiker gerecht wird, erstklassige Führungspersönlichkeiten um sich zu versammeln, oder ob die Ausfallsquote unter den Damen und Herren seiner Regierungsmannschaft doch langsam bedenklich wird und Zweifel an seiner Kompetenz zulässt. Die plötzlich beendete Karriere von Christine Aschbacher und das katastrophal in den Sand gesetzte „Kaufhaus Österreich“ von Margarete Schramböck könnten gefährliche Symptome dafür sein.

Bleiben noch zwei Bemerkungen: Die erste bezieht sich auf einen „Kommentar der Anderen“-Artikel in der Tageszeitung „Der Standard“ vom 3. April 2021, wo der bereits eingangs erwähnte Autor Daniel Wisser sich in kryptischen Bemerkungen darüber ergeht, inwieweit die Chats zwischen Kurz, Blümel und Schmid als gegenseitige Liebeserklärung eines, das Wort wird natürlich nie verwendet, homosexuellen Trios Infernal einzustufen seien. Ganz abgesehen davon, dass eine solche im Subtext mitlaufende Diffamierung von Beziehungen, wenn sie denn bestünden, auf die unzulässige Diskriminierung einer bestimmten sexuellen Orientierung hinausliefe, ist solch ein andeutungsweises Geschwätz, ohne das inzwischen kaum eine sich in ihrer eigenen Bedeutung suhlende kritische Journalistenrunde auszukommen scheint, nur noch mies und feig, da es ja keinem kritischen Kommentator unbenommen ist, die Frage nach einem möglichen sexuellen Doppelleben unserer Spitzenpolitiker, die hier lediglich voyeuristisch und geil umkreist wird, offen und deutlich zu stellen. Dass der derzeit zeitgeistig gehypte Autor Daniel Wisser sich den Gepflogenheiten solch besoffenen Mediengeschwätzes in einer Qualitätszeitung anschließt, erlaubt einmal mehr einen tiefen Einblick in die Provinzialität des heimischen literarischen Schaffens.

Bleibt noch als letzter Vorwurf, dass Schmid, um der Ausschreibung für den ÖBAG-Job gerecht zu werden, darum ersuchte, aus dem Ausschreibungstext die Forderung nach Auslandserfahrungen zu eliminieren. Wenn diese Anforderung dazu geführt hätte, dass, wie in den Medien kolportiert, zwei deutsche Großmanager für die Verwaltung des 23 Milliarden schweren Beteiligungsvermögens der Republik Österreich berufen worden wären, dann erlaube ich mir an dieser Stelle schlicht und einfach das unsägliche Vorurteil, dass ich von der Übernahme unseres Staates durch bundesdeutsche Kompetenzen langsam genug habe und froh bin, dass der Passus tatsächlich gestrichen wurde. Und es fällt mir die in ihrem Wahnwitz bislang unübertroffene Ausschreibung der Kulturabteilung des Amtes der Tiroler Landesregierung ein, als vor Jahren eine neue Geschäftsführung für die Festwochen der Alten Musik gesucht wurde und dabei Qualifikationen in die Bewerbungsgrundlagen aufgenommen wurden, die selbst einen Gerard Mortier oder Herbert von Karajan als unterqualifiziert hätten erscheinen lassen. Geworden ist es dann die liebenswürdige Engländerin Sarah Wilson, deren Qualifikation, ein paar Kammermusikkonzerte in Süddeutschland organisiert zu haben, neben einem blendenden Auftritt genügt zu haben scheint. Auch hier also: entscheidend ist der Politiker, der eine Berufungskommission bestellt, um sich und seine Inkompetenz dahinter zu verstecken, oder der die Verantwortung übernimmt und seine Fähigkeit, die richtigen Leute zu engagieren, der öffentlichen Überprüfung unterzieht. Und der im Falle des Fehlgriffs abgewählt werden kann.

PS:
Dieser Artikel wurde geschrieben, noch bevor der hinzurichtende Thomas Schmid, wie es heute gesichtswahrend üblich ist, die Schar seiner Henker, die er angeblich, weil steuerbar, in Gestalt des Aufsichtsrats der ÖBAG selbst ausgewählt hat, darum ersuchte, seine Hinrichtung binnen eines Jahres zur Kenntnis zu nehmen. Wer es in seinem Leben verabsäumt hat, sich auch nur einen Akt eines shakespear´schen Königsdramas zu Gemüte zu führen, wird vielleicht der Ansicht sein, dass dieses Ersuchen ohne den ausdrücklichen Willen des obersten Herrschers vorgebracht wurde. Dem ist bestimmt nicht so, wodurch die vorliegenden Überlegungen nicht entwertet werden, sondern geradezu an Bedeutung gewinnen.

Viele Medien nämlich, die durch das Internet zunehmend Auflagen, Zuseher und Zuhörer verlieren, versuchen inzwischen mit der Mobilisierung niedrigster Instinkte kleinbürgerlichen Hasses und Neids ihre Kundschaft, von der nicht nur die Werbeeinnahmen ihrer Unternehmen, sondern auch die zumindest für die Führungseliten unverhältnismäßig hohen Gehälter abhängen, bei der Stange zu halten. In diesem Sinne wird es nicht lange dauern, bis nach einer inzwischen unendlichen Serie von meist Pseudoskandalen, zuweilen Miniskandalen und ganz selten echten Skandalen eine nächste Erregung der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Diese peinliche Anbiederung an den meist linksliberalen Spießer, der derzeit den Zeitgeist dominiert, wird nun wie ein kommunizierendes Gefäß durch eine Regierung ergänzt, deren höchstes Ziel Toppositionen im Beliebtheitsranking bei Umfragen und zuletzt das Gewinnen von Wahlen ist. Letzteres ist in einer Demokratie durchaus berechtigt, sollte jedoch durch politisches Handeln und nicht durch prostitutives Marketing erreicht werden. Genau dies ist jedoch der Fall, wenn einem Manager, dem man die Verwaltung des Vermögens der Republik zugetraut hat und der, wie selbst die Kommentatorin des ORF missmutig feststellen musste, bisher nicht schlecht gearbeitet hat, binnen einer Woche das Vertrauen entzogen wird, weil der Justiz vorgelagerte Mediennetzwerke ihn, da sie den Chef selbst noch nicht ins Visier bekamen, zum Abschuss freigegeben haben. Hier wird schlicht die seit Jahrhunderten bewährte Gewaltenteilung im Staat gefährlich unterlaufen. Und das ist der Kern des Problems!


Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. peter hofinger

    ach, alois,
    ich hab`s versucht.
    ich hab`s wirklich versucht.

    ich hatte mir deinen schöpfblog abonniert in der hoffnung, einiges lesenswertes von verschiedenen autorInnen zu erhalten, aber leider war vorwiegend ungenügend zerkautes und anschließend ausgespucktes eines aggressiven einäugigen darunter.

    die art, wie du den von dir angehimmelten kurz nicht nur verteidigst sondern als leuchtende himmelsgestalt darstellst, erscheint ministrantenhaft und ist mehr als peinlich. der realität entspricht deine darstellung jedenfalls in keiner weise.

    und wenn du frau waltons huldigung deines geschreibsels „…Beiträge, die mir nur allzu oft meine eigene Bedeutungslosigkeit vor Augen führen…“ auch noch veröffentlichst, dann zeigt das nur, dass du meinst, deine belesenheit und vermeintliche weltgewandtheit bei jeder wortspende so üppig zur schau stellen zu müssen, dass einem ganz übel wird.
    oder eben manche deiner leserInnen bedauernswerter weise glauben, in bedeutungslosigkeit versinken zu müssen.

    wenn man deine blogbeiträge von pomp und gloria befreit, bleibt allerdings nicht mehr viel übrig als einfaches gut-böse denken mittelalterlicher prägung.

    die verwendung von begriffen wie „linksliberale beißgesellschaft“ und deine begeisterung für den interviewstil von vater und sohn fellner auf oe24.tv erinnert mich an die zeit, als in der krone noch „staberl“ schreiben durfte, was ihm in den unsinn kam.

    wie gesagt, alois, ich hab`s versucht, aber mehr als eine gute woche konnte ich das in vielen interessant klingenden worten gehüllte gefasel von dir nicht aushalten.

    noch eine kleine anregung: wirf einfach ganz schnell einen blick auf den kalender: wir leben im jahr 2021! die welt einerseits in die gute, glorreiche des kurz und andererseits in die böse, „stramm marxistische“ der „linken beißgesellschaft“ aufzuteilen, ist wirklich, wirklich, wirklich überholt. abgesehen von ein paar ewiggestrigen fpö-lern, haider-nachtrauernden und verschwörungsquerdenkern wird dir das auch keiner mehr abnehmen.

    aber ich verstehe schon: es ist sicherlich schwierig, wahre tiefen zu erfassen, wenn man als einäugiger unterwegs ist und dabei noch dazu gefahr läuft, in lobhudeleien der anhängerschaft zu ertrinken, weil man gelernt hat, so viele tolle worte in den mund zu nehmen und anschließend als unausgegorenen brei auszuspucken.

    ach, alois,
    du tust mir fast leid.

    peter hofinger

  2. Gerda Walton

    Sehr geehrter Herr Hofinger,
    ein Mensch von Ihrer Eloquenz dürfte seinen Goethe mit Sicherheit im Kopf haben und folglich auch den ihm zugeordneten Ausspruch: „Lobt mich nur, Ihr wisst gar nicht, wie viel ich davon vertragen kann“. Im Internet wird er meines Wissens zwar fälschlich Bruno Kreisky zugeschrieben, aber was macht das schon?
    Ich gestehe es freimütig, ich lobe Menschen gerne und oft. Und wenn sie es meiner Meinung
    nach verdienen, scheue ich auch nicht davor zurück, das öffentlich zu tun. In meinen vielen Lebensjahren auf dieser seltsamen Erde habe ich die Erfahrung gemacht, dass man
    Menschen damit eine Freude macht, sie anspornt und mit Lob viel, viel mehr erreicht, als mit ständiger Nörgelei, Miesepetrigkeit und schon gar nicht mit Zynismus.
    Ich erwarte mir überhaupt nicht, dass jeder meine Meinung teilt, das wäre schön langweilig! Geschmäcker sind nun einmal verschieden und das in allen Lebensbereichen. Leider habe ich im schoepfblog noch nie etwas aus Ihrer Feder entdeckt, was der Lobhudelei oder gar des Lobes Wert gewesen wäre, nicht einmal Halbverdautes, aber schließlich gibt es in jeder Kunstgattung Ausübende und Kritiker, offensichtlich zählen sie zur letzteren Kategorie. Ich hab’s mehr mit ersteren.
    Auch wenn Sie es offensichtlich anders sehen, für mich bedeutet es oft eine Erholung, aus der manchmal unerträglichen Vulgärsprache des Fernsehens auszusteigen und in neu dazugekommenen Beiträgen des schoepfblogs zu stöbern. Mit den Meinungen einiger AutorInnen und Autoren bin ich übrigens keineswegs immer einer Meinung, aber interessante und informative Aspekte ergeben sich eigentlich durchwegs und ich respektiere die Ansichten anderer Menschen. Leider kann ich selber nur so schreiben, dass es für das tägliche Leben reicht. Ohne falsche Bescheidenheit versuche ich mich selbst zu erkennen und realistisch einzuordnen, was bekanntlich nicht jedem gegeben ist. Und da wir in einem freien Land leben, nehme ich mir auch die Freiheit, das frei von der Leber weg zu sagen und sie ob ihrer Gabe zu bewundern. Sollte es Ihnen nicht passen, tun sie mir nicht einmal leid.

  3. Lieber Alois,
    Deine Zeilen kann ich, ohne den geringsten Einwand, voll unterschreiben. Jene des Peter Hofinger (ich hab keine Ahnung, wer das ist) hingegen, der meint, im Gegensatz zu Dir – wie er zu formulieren versucht – im Zeitgeisterfassen uptodate zu sein, und der seine politische Gesinnung dabei schlecht versteckt, kann man höchstens ignorieren.

  4. Uta Mackowitz

    Ich kann mich nur an die Gedankengänge und Erklärungen von Alois Schöpf anschließen , die er in den “ Missbrauchten Chats“ ausgezeichnet analysiert hat. Auch “ Gutmenschen“ sollten die Worte Gorbatschows : “ Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt , wird rasch Witwer!“ nicht vergessen!

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